Die Jelinek-Methode

«Die Sprache von der Leine lassen» – ein Dokumentarfilm über Elfriede Jelinek

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Eine Frau hält sich ein Papier vors Gesicht und in die Kamera, darauf handgeschrieben: «Diese Sendung dauert eine Stunde. Für die weiblichen Schriftsteller sind davon 10 Minuten reserviert. 760 Frauen wurden angeschrieben. Daher bleiben für mich ca. 0,8 Sekunden. Betrachten Sie mich JETZT!» Die Frau lässt das Papier sinken, 0,8 Sekunden ist sie zu betrachten: Elfriede Jelinek, eine jüngere Ausgabe, ein alter Film, wann und von wem, verrät die Regisseurin Claudia Müller nicht.

In den kommenden 93 Minuten werden im selben Modus viele alte Filmausschnitte gezeigt, immer unmarkiert, nie zeitlich eingeordnet. Claudia Müller bedient sich in alten Fernsehdokus über Elfriede Jelinek, die zwischen 1988 und 2004 gedreht wurden. Der Abspann weist vier Filme aus, die das Footage-Material geliefert haben; und das sind längst nicht alle. So zeigt der Film ohne Quellenangabe seine Protagonistin z.B. nach dem Tod von Einar Schleef in einem Gespräch mit Alexander Kluge bei dctp und in Amateuraufnahmen, die Claudia Müller in alten Filmarchiven gesucht und gefunden hat. 

Was blieb ihr auch anderes übrig? Die versierte Dokumentarfilmerin, deren Künstlerporträts von u.a. Jenny Holzer über Loriot, Hans ...

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Theater heute 11 2022
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Barbara Burckhardt

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