Weniger Romantik!

Am Deutschen Theater Berlin verzuckert Jan Bosse Anna Gmeyners «Automatenbüfett», Noam Brusilovsky inszeniert Moritz Kienemann als schwindelerregenden Fake Jew, und im Gorki Studio performt Nairi Hadodo das feministische Potenzial von «Jane Eyre»

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Wie lebt es sich so in den letzten Monaten, Jahren einer liberalen Demokratie? Merkt man schon, dass eine neue Stimmung, eine andere Sprache, ein besonderer Menschenschlag die Weltbühne betritt? In Anna Gmeyners 1932 in Berlin uraufgeführter und dann bis 2021 vergessener Tragikomödie «Automatenbüfett» lassen sich durchaus Sprachfetzen identifizieren, die im Rückblick faschistisch wirken: «gemütvoll, antisemitisch, aber nicht aggressiv» sollen politische Reden klingen, findet Lokalredakteur Arendt, während ein anderer aus der Runde der Stammtischhonoratioren «Suum cuique, jedem da

s Seine» ruft – allerdings Jahre, bevor die Nazis den Spruch zynisch im KZ Buchenwald verbauten.

Vor allem aber ist «Automatenbüfett» eine Lovestory vor dem Hintergrund der ökonomisch und ideologisch gespannten Atmosphäre am Ende der Weimarer Republik: Eine junge Frau will sich ertränken, ihr Retter, Leopold Adam, plant eine Fischzucht, die der von der Weltwirtschaftskrise gebeutelten Kleinstadt neuen Auftrieb geben könnte – und die aus dem Wasser gezogene Eva soll ihm dabei helfen. Und zwar, indem sie im Automatenbüfett seiner Frau durch schiere Präsenz den Umsatz ankurbelt und potenzielle Unterstützer ...

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Theater heute Mai 2026
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Eva Behrendt

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