Weniger Romantik!
Wie lebt es sich so in den letzten Monaten, Jahren einer liberalen Demokratie? Merkt man schon, dass eine neue Stimmung, eine andere Sprache, ein besonderer Menschenschlag die Weltbühne betritt? In Anna Gmeyners 1932 in Berlin uraufgeführter und dann bis 2021 vergessener Tragikomödie «Automatenbüfett» lassen sich durchaus Sprachfetzen identifizieren, die im Rückblick faschistisch wirken: «gemütvoll, antisemitisch, aber nicht aggressiv» sollen politische Reden klingen, findet Lokalredakteur Arendt, während ein anderer aus der Runde der Stammtischhonoratioren «Suum cuique, jedem da
s Seine» ruft – allerdings Jahre, bevor die Nazis den Spruch zynisch im KZ Buchenwald verbauten.
Vor allem aber ist «Automatenbüfett» eine Lovestory vor dem Hintergrund der ökonomisch und ideologisch gespannten Atmosphäre am Ende der Weimarer Republik: Eine junge Frau will sich ertränken, ihr Retter, Leopold Adam, plant eine Fischzucht, die der von der Weltwirtschaftskrise gebeutelten Kleinstadt neuen Auftrieb geben könnte – und die aus dem Wasser gezogene Eva soll ihm dabei helfen. Und zwar, indem sie im Automatenbüfett seiner Frau durch schiere Präsenz den Umsatz ankurbelt und potenzielle Unterstützer ...
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Theater heute Mai 2026
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Eva Behrendt
Auf die Frage, in welche Zeit sie am liebsten reisen würden, antworten die vier Ensemblespieler:innen vom Staatstheater Cottbus: in die Vergangenheit. Vielleicht, weil die Zukunft ihnen Angst macht – das jedenfalls wäre die These der Zukunftsforscherin Florence Gaub, die im zweiten Teil von Helgard Haugs «Die Zeitmaschine» einen kurzen Auftritt als KI-Hybrid hat....
Die Menschheit ist schon eine unangenehme Spezies. Sie ist besserwisserisch, sie ist brutal, sie ist rechthaberisch, sie agiert ohne jedes Mitgefühl. Man muss sich nur einmal Donald Trump anschauen, Putin, Le Pen, man denke an die Super -reichen, die abgekoppelt von der Realität ihre Milliarden mehren, man denke an die nicht ganz so Reichen, die bereit sind, für...
Leerstellen der Angst
Die Kölner Koproduktion «In the meantime» erzählt eindrücklich von Exil und iranischem Widerstand
Es ist eine kleine Theaterarbeit voller Wucht und Größe. «In the meantime – a play across two continents» handelt von einer Welt im Krieg und schenkt die Vision, dass alles auch ganz anders sein könnte. Zart, mit Galgenhumor, erzählt es von Liebe,...
