Fragmente der Zärtlichkeit
Alleinerziehende Mütter ohne Berufsabschluss tragen das höchste Armutsrisiko. Materielle Bedingungen entscheiden aber, ob man frei oder unfrei ist. Um selbstbestimmt leben zu können, brauchen Frauen Geld und einen eigenen Raum, das hat schon Virginia Woolf festgestellt. Themen, die den französischen Autor Édouard Louis (Jahrgang 1992) beschäftigen, dessen Mutter aus dem Arbeitermilieu der französischen Provinz stammte, früh das erste Kind bekam, weshalb ihr eine Ausbildung versagt blieb, während ihr Ehemann sich zu einem gewalttätigen Trinker entwickelte.
Louis schrieb über das Schicksal seiner Mutter Monique zwei autofiktionale Romane: 2021 erschien «Combats et métamorphoses d’une femme» («Die Freiheit einer Frau«), 2024 «Monique s’évade» («Monique bricht aus»). Am Mannheimer Nationaltheater, in der Interimsspielstätte Franklin, kann man jetzt eine Dramatisierung dieses sozialpolitisch so relevanten Stoffs sehen – in der Regie von Jan Friedrich.
Erzählt wird durchweg aus der Perspektive des Sohnes, der sich selbst einen «Klassenflüchtling» nennt. Als schwuler junger Mann entfloh er der toxischen Atmosphäre seines Elternhauses, der Mutter, die die selbst erlebte Gewalt an ihn ...
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Theater heute Mai 2026
Rubrik: Chronik, Seite 67
von Verena Großkreutz
Die «Wohlverhaltensklausel» in seinem Vertrag wurde ihm zum Verhängnis: Markus Hinterhäuser, Intendant der Salzburger Festspiele seit zehn Jahren, wurde wegen ihr vom Kuratorium dieser Festspiele mit sofortiger Wirkung beurlaubt und wird seinen neuen Vertrag, der bis 2031 gegangen wäre, gar nicht erst antreten. Was in dieser Klausel steht, weiß man in der...
et in arcadia ego
0. der traum
du wachst auf in der nacht weißt nicht genau warum das kind denkst du hat es geschrien du versuchst die traumreste von der wirklichkeit zu ziehen wie klebrige schutzfolie hast du das geträumt oder hat es geweint du schaust auf die uhr es ist 0252 besser nachschauen denkst du dir better safe than sorry der hund hat nichts gesagt müsste...
«Zwischen den Zeilen bleibt ein Gefühl, egal was wir machen, wir scheitern», rappt der Hip-Hopper Sorbas dem Jenaer Publikum mit kräftigen Beats ins Gesicht. Hinter ihm flackern Bilder von Protesten und Gewalt, Bilder von behelmten Polizist:innen und Steine werfenden Demonstrierenden. Die drei Leinwände können durch aufgetragene Rechtecke auch als Hochhäuser...
