Wein ohne Ende
Wenn der Partyservice Trinktier zum Weinfest lädt, dann kommen sie alle, um sich an rustikalen Biertischen unter Lichterketten einmal so richtig die Kante zu geben. Und um mit der Weinkönigin Célimène (Katharina Hackhausen) zu flirten, die als Pappaufsteller gleich zum Start als Hauptattraktion ausgewiesen wird.
Regisseur Jörg Pohl verlegt Molières «Menschenfeind» in Weimar auf’s Dorffest und lässt gleich zum Anfang mal effektvoll einen Traktor auffahren, den Mona Zarreh Hoshyari Kkah in schönen Bögen über die Open-Air-Bühne am E-Werk schiebt, bevor sie ihren Getränkewagen aufschließt (Bühne und Kostüme Lena Schön, Helen Stein). Das Weinfest kann beginnen, und es gilt, wie ein Plakat verkündet: «Suchest Wahrheit du im Wein, höre nicht beim ersten Glas auf.»
Und bei einer Flasche wird es hier nicht bleiben, der ganze Abend ist als kollektives Besäufnis angelegt. Die Übersetzung von Hans Magnus Enzensberger reichert das Drama nochmal ordentlich mit Moderni -täten an, ohne das Stück großartig anzutasten. So wird aus dem schwachen Poeten Oronte, den Fabian Hagen als eine Art Frank Zander im Ferrari-Glitzer-Look wunderschön prätentiös gibt, ein billiger Schlager-Imitator, dessen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute August-September 2026
Rubrik: Chronik, Seite 63
von Torben Ibs
Die meistdiskutierte Produktion dieser Wiener Festwochen fand dann gar nicht statt. Am 7. Juni war im Hotel Intercontinental ein von Intendant Milo Rau moderiertes Gespräch zwischen dem US-amerikanischen Tech-Unternehmer und Investor Peter Thiel und dem österreichischen Theologen Wolfgang Palaver angesetzt, es wurde aber kurzfristig abgesagt.
Der Paypal-Mitgründer...
Die Antarktis und das Weltall haben eins gemeinsam: Ungeschützt kann der Mensch dort nicht überleben. Dringt er dennoch, etwa aus Neugier oder zu Forschungszwecken, in sauerstoffarme oder eiskalte Weiten vor, bleiben seine Bewegungs- und Handlungsspielräume extrem begrenzt. Die größte Herausforderung im menschenfeindlichen Umfeld ist deshalb vermutlich die...
Alle drei Jahre ruft Theater der Welt, diesmal in die sächsische Provinz nach Chemnitz. Ein Report über ein ungewöhnlich kuratiertes Festival
Warum hat sich eigentlich in Zeiten der Klimakrise noch niemand mit den Auswüchsen des Tourismus beschäftigt? Rebekka Kricheldorfs «Welcome to Schöny – Please get the fuck out!» hält dagegen. Der Stückabdruck
Die Redaktion...
