Doppelbilder, einzeln betrachtet
Schillers «Räuber» sind ein beliebtes Angriffsziel für Inszenierungen. Was kann man da nicht alles treffen, umdrehen, zerfetzen, verulken! Die Konstruiertheit des Gegensatzpaares der Brüder Franz und Karl Moor. Die Widersprüchlichkeit des Charakters Karls zwischen Brutalität und sentimentalem Heimweh. Die Eindimensionalität des Charakters der «Canaille» Franz, als teuflischer Bösewicht (abgekupfert von Shakespeares Edmund aus «King Lear» und seinem «Richard III.»). Die gesuchten Metaphern und kalkulierten Derbheiten der Sprache.
Die von jeder realen Weiblichkeit entkoppelte Idealisierung Amalias, die umso plötzlicher umschlägt in ihre Ermordung durch den Geliebten.
Alles das lässt sich Lucia Bihlers Bochumer Inszenierung nicht entgehen. So konsequent und zügig, dass die Schiller-Verstümmelung richtig Spaß macht. Aber der Ernst fehlt auch nicht, ironisch verpackt.
Franzens erstes Wort ist hier «Mama». Mütterlose Vaterkinder sind die beiden Brüder. Das ist schon mal mit einem Wort eine treffende Analyse der Familiensituation. Karls (Alexander Wertmann) revolutionäre Ak -tionen sind schon bei Schiller plan- und ziellos. Also wird seine Räuberbande eine begriffsstutzig grinsende ...
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Theater heute August-September 2026
Rubrik: Aufführungen, Seite 12
von Gerhard Preußer
Wenn der Partyservice Trinktier zum Weinfest lädt, dann kommen sie alle, um sich an rustikalen Biertischen unter Lichterketten einmal so richtig die Kante zu geben. Und um mit der Weinkönigin Célimène (Katharina Hackhausen) zu flirten, die als Pappaufsteller gleich zum Start als Hauptattraktion ausgewiesen wird.
Regisseur Jörg Pohl verlegt Molières «Menschenfeind»...
«Leben passiert, Kaffee hilft.» Für viele Menschen stimmt das. Für Hamlet eher nicht. Und doch steht am Rand von Thomas Ruperts Bühnenbild unübersehbar ein Kaffeeautomat. Einer, der nach entsprechendem Münzeinwurf stotternd und seufzend kleine Plastikbecher samt Heißgetränk ausspuckt.
Ab und an zapft sich auch Hamlet daraus einen Kaffee, doch seinem Leben hilft der...
Dieses Jahr darf ich beim Schweizer Dramenprozessor junge Autor:innen beim Erarbeiten ihrer Stücke begleiten. Es geht viel um dramaturgische Fragen, auch um solche des Schreibprozesses: Wann ist der Moment für Improvisation, wann für Struktur? Und wie komme ich überhaupt zu den Harmonien und Tonleitern, damit ich bei jeder Schreib-Jam-Session mit dem Stück...
