Parasiten der Gegenwart
Draußen sengt die Sonne, drinnen sengt die Sonne. Drinnen allerdings fiktiv. Abgeschirmt von der massiven Junihitze und der nicht minder massiven Karlsruher Theaterbaustelle kann das Uraufführungspublikum nachempfinden, was es heißt, in einer gipsstaubtrockenen Senke im abgehängten Osten Deutschlands allmählich auszudörren – äußerlich wie innerlich.
Wir sind im thüringischen Dorf «Debritz», Schauplatz und Titel von Kaleb Erdmanns Stück. Peggy hat hier ein paar Schweine plus Rübenfelder geerbt.
Die Eltern wurden durch ein Schlagloch aus der Post-Wende-Steilkurve geschleudert. Das wäre schon eine andere Geschichte, hätte Peggy nach dem tödlichen Unfall nicht den traumatischen Ehrgeiz kultiviert, Hof und Scholle, welche die Familie gutgläubig von der Treuhand erstand, weiter zu beackern. Heute schleppt sie Evianwasser kistenweise von hier nach da und zurück. Außer der Dürre gibt es in Debritz nämlich weitere Probleme. Das eine heißt Maik, futtert Salznüsschen ohne Ende, wäre trotzdem ganz süß, nur hält er sich aus allem raus, vor allem aus der Arbeit. Maik ist, so wie ihn Jannik Süselbeck in Karlsruhe sympathisch auf die Bühne bummelt, der Typ Flipflop. Peggy hingegen ganz Typ ...
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Theater heute August-September 2026
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Stephan Reuter
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