Was es zu verlieren gibt
Das Bühnenbild des Jahres ist bereits verschrottet, nach der letzten Vorstellung beim Theatertreffen im Berliner Mai reiste das Ensemble von «Tod eines Handlungsreisenden» mit leichtem Gepäck zurück nach Zürich. Sehr zum Ärger von Robert Hunger-Bühler, der in diesem verschwenderischen Traum der fünfziger Jahre, wie ihn Stéphane Laimé für den Regisseur Stefan Pucher gebaut hatte, die Hauptrolle des Willy Loman spielte. In Berlin sagte Hunger-Bühler, er habe es selten erlebt, dass eine Inszenierung ein halbes Jahr nach der Premiere noch so gut gelaufen sei.
Zumal in der Schweiz, wo man im Sprechtheater das Prinzip des Repertoires kaum kennt.
Man lobpreist also einen Raum, der gar nicht mehr unter uns weilt. Inhaltlich passt die Gestimmtheit des Nachrufs ganz gut. Denn was der Bühnenbildner Laimé mit seinen sieben meistens quadratischen Plattformen in die lange, quer bespielte Schiffbauhalle gestellt hatte, war selbst eine Art Totenfeier. Der Optimismus der Warengesellschaft, der sich in den lackierten Inneinrichtungen spiegelt, wirkte wie ein geisterhaftes Zerrbild. Vergleichbar einem Vanitas-Gemälde des Barock, wo die Üppigkeit des Stilllebens stets von einem Totenkopf oder ...
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Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Die Höhepunkte des Jahres, Seite 142
von Tobi Müller
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