Das Au!-Wort

Der Authentizitätshype im Theater schadet dem Beruf des Schauspielers. Ein Glaubensbekenntnis

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Ein Schauspieler ist er nicht, er will kein Schauspieler sein. Seine Kollegen mögen Schauspieler sein, was für ihn heißt: Mensch-Maschinen. Er will sich nicht verbiegen. Sich Figuren zu widmen, hat er nicht nötig. Ihm reicht es, er selbst zu sein, und er ist sich sicher, dass er mit der Zur-Schau-Stellung seiner Tagesform dem Publikum das größte nur denkbare Geschenk macht: Einmal einen echten Menschen sehen!

Mal spricht er überlaut und schnell, dann wieder an der Grenze der Hörbarkeit, oft und gerne unverständlich, denn künstliches Sprechen, sagt er, liegt ihm nicht.

Er macht Pausen ..., lange Pausen in seiner Rede. Ihm beim Denken zuzusehen, mag er denken, sei ein bereicherndes Moment, da es den Zuschauer selbst zum Denkenden mache. Dann, nach vielen mutwillig verschleppten und fallengelassenen Impulsen, schwallt die Sprache aus ihm heraus wie ein Wasserfall. Seine Rede wirkt persönlich, sie scheint sogar privat zu sein. Ganze Abende ranken sich um seine Erfindungen und Verweigerungen: Die eigene Biografie wird Material. Stoffe, die das gemeine Vorstellungsvermögen sprengen, werden von ihm wie Staub geschluckt und wieder ausgespuckt, voller Unbehagen und Überlegenheit. Die Frage ...

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Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Wiebke Puls, Seite 12
von Wiebke Puls

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