Das Au!-Wort
Ein Schauspieler ist er nicht, er will kein Schauspieler sein. Seine Kollegen mögen Schauspieler sein, was für ihn heißt: Mensch-Maschinen. Er will sich nicht verbiegen. Sich Figuren zu widmen, hat er nicht nötig. Ihm reicht es, er selbst zu sein, und er ist sich sicher, dass er mit der Zur-Schau-Stellung seiner Tagesform dem Publikum das größte nur denkbare Geschenk macht: Einmal einen echten Menschen sehen!
Mal spricht er überlaut und schnell, dann wieder an der Grenze der Hörbarkeit, oft und gerne unverständlich, denn künstliches Sprechen, sagt er, liegt ihm nicht.
Er macht Pausen ..., lange Pausen in seiner Rede. Ihm beim Denken zuzusehen, mag er denken, sei ein bereicherndes Moment, da es den Zuschauer selbst zum Denkenden mache. Dann, nach vielen mutwillig verschleppten und fallengelassenen Impulsen, schwallt die Sprache aus ihm heraus wie ein Wasserfall. Seine Rede wirkt persönlich, sie scheint sogar privat zu sein. Ganze Abende ranken sich um seine Erfindungen und Verweigerungen: Die eigene Biografie wird Material. Stoffe, die das gemeine Vorstellungsvermögen sprengen, werden von ihm wie Staub geschluckt und wieder ausgespuckt, voller Unbehagen und Überlegenheit. Die Frage ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Wiebke Puls, Seite 12
von Wiebke Puls
Jens Harzer
Allein wie Jens Harzer am Thalia Theater den zu Tode zitierten Posa-Satz sagt von der Gedankenfreiheit, ist den ganzen «Don Carlos» wert – leicht, spielerisch, verführerisch, mit einer lässigen Handbewegung und seinem schiefen Lächeln, als sei das kein großes Ding. Anke Dürr
Seinen Ruhm hat Jens Harzer sich erspielt als fantastischer Alien des deutschen...
Ein deutscher Reisebus auf dem Weg nach Schlesien. Amüsiert nehmen wir Teil an Dirk Lauckes Kaffeefahrt «heim ins reich zu den stätten unserer scheißarischen ahnen». In seinem neuestem Stück «Alles Opfer! oder Grenzenlose Heiterkeit», verfasst für die Ruhrfestspiele Recklinghausen und das Staatsschauspiel Dresden, erfreuen wir uns an fröhlichen Rentnern und...
Die große Wut hatte ich vor etwa 20 Jahren. Das Theater war leidenschaftslos, verbeamtet, routiniert, beschäftigte sich vor allem mit sich selbst. Ich hatte die Nase voll, schmiss alles hin, flüchtete nach Paris, ließ alles liegen.
Wut macht rücksichtslos, aber Wut gehört zur Freiheit. Menschen, die Wut nicht kennen oder Wut nicht wagen oder sie fürchten, langweilen...
