Das Au!-Wort
Ein Schauspieler ist er nicht, er will kein Schauspieler sein. Seine Kollegen mögen Schauspieler sein, was für ihn heißt: Mensch-Maschinen. Er will sich nicht verbiegen. Sich Figuren zu widmen, hat er nicht nötig. Ihm reicht es, er selbst zu sein, und er ist sich sicher, dass er mit der Zur-Schau-Stellung seiner Tagesform dem Publikum das größte nur denkbare Geschenk macht: Einmal einen echten Menschen sehen!
Mal spricht er überlaut und schnell, dann wieder an der Grenze der Hörbarkeit, oft und gerne unverständlich, denn künstliches Sprechen, sagt er, liegt ihm nicht.
Er macht Pausen ..., lange Pausen in seiner Rede. Ihm beim Denken zuzusehen, mag er denken, sei ein bereicherndes Moment, da es den Zuschauer selbst zum Denkenden mache. Dann, nach vielen mutwillig verschleppten und fallengelassenen Impulsen, schwallt die Sprache aus ihm heraus wie ein Wasserfall. Seine Rede wirkt persönlich, sie scheint sogar privat zu sein. Ganze Abende ranken sich um seine Erfindungen und Verweigerungen: Die eigene Biografie wird Material. Stoffe, die das gemeine Vorstellungsvermögen sprengen, werden von ihm wie Staub geschluckt und wieder ausgespuckt, voller Unbehagen und Überlegenheit. Die Frage ...
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Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Wiebke Puls, Seite 12
von Wiebke Puls
Wütend. Das ist ein Zustand, in den man oder frau gerät und sich dann darin befindet. Im Entstehen der Wut. «Da bin ich aber wütend geworden», erzählen wir und schauen so zustimmungsheischend um uns. Im Zustand des Wütend-Werdens fühlen wir uns berechtigt. Berechtigter. Der Vorgang des Wütend-Werdens erzählt uns selbst und denen, denen wir davon erzählen, davon,...
Wut ist Teil meines Theaters. Obwohl ich sehr liebevoll mit den Leuten arbeite. Aber schon was ich behandle, hat sehr viel mit Wut zu tun. Zum einen mit einer verbreiteten Art, Theater zu spielen, an der ich als Schauspieler verzweifelt bin. Wo ich gerne selbst viel weiter gegangen wäre, bin ich runtergedrückt und weggeputzt worden. Als Regisseur habe ich auf...
Wer sich gefragt hat, wo eigentlich Elfriede Jelineks Text oder Stück zum Fall Josef Fritzl bleibt – hier ist er oder es. «FaustIn and out» schaut in die Hölle, die sich vierundzwanzig Jahre lang in einem unterkellerten Haus in Amstetten in Österreich befand. Der mittlerweile zu lebenslanger Haft verurteilte Fritzl hatte seine Tochter im Keller eingesperrt, mit...
