Was bleibt?
Das ist jetzt also das Vermächtnis. «Die Jahre» von Annie Ernaux, die letzte große Produktion zum Ende von Joachim Lux’ 16-jähriger Intendanz am Hamburger Thalia Theater, inszeniert von Jette Steckel. Das ist ein Statement, einerseits wegen der Regisseurin: Ihr das letzte Wort zu übergeben, kann ein bisschen die Vorwürfe entkräften, dass Frauen in Lux’ Theater wenig zu sagen haben.
Wobei Steckel natürlich auch ein wenig die Ausnahme war, die die Regel bestätigt – jenseits ihrer regelmäßigen Arbeiten waren die Regiepositionen der vergangenen 16 Jahre am Haus tatsächlich mehrheitlich männlich besetzt.
Ebenso wichtig ist aber die Vorlage: «Die Jahre», erschienen 2008, ist das Opus Magnum der Literaturnobelpreisträgerin von 2022, eine so genaue wie distanzierte Beschreibung der eigenen Biografie anhand von Fotografien, Erinnerungen, historischen Zeugnissen, das ganz große Panorama des mitteleuropäischen Alltags im 20. Jahrhundert, gespiegelt im zutiefst Privaten, Kleinformatigen. Was nach einer ersten Irritation tatsächlich als passender Stoff für das politisch-ästhetische Programm des Thalia Theaters unter Lux erscheint.
Magische Erinnerungslaterne
Wobei Steckel die Schwere und das ...
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Theater heute Juli 2025
Rubrik: Aufführungen, Seite 20
von Falk Schreiber
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