Kopf und Körper
Wo gerade in allen Tunneln mal wieder so gar kein Licht scheinen mag, die Sparziele der Kulturpolitik immer hemmungsloser werden und Zuschauerreihen nach wie vor nicht ganz so dicht gefüllt sind, wirkt es wie eine Art offensive Themaverfehlung: Einfach mal nicht die Krisenherde der Welt auf dem Schirm haben, nicht Relevanz heischend die neuesten Debatten umgraben, sondern abtauchen zum Urgrund von (Schau-)Lust und süßem Schmerz, der bei Triggerwarnungen meist fahrlässig vergessen wird: In München ging es im Frühling – tatsächlich mal wieder – um die Liebe!
Und das gleich d
oppelt. Zweimal Shakespeare, zweimal der große Unbekannte, um dessen Identität und sexuelle Orientierung sich auch mehr als 400 Jahre nach seinem Tod Legenden ranken, schon weil seine Dramen und Sonette so viele amouröse Vexierspiele auf Leben und Tod austesten, für die es zu seiner Zeit noch gar keine Namen gab. Alles dreht sich also ums große Gefühl, ganz buchstäblich in Elsa-Sophie Jachs «Romeo und Julia»-Inszenierung am Residenztheater, wo eine anfangs wuchtige, letztlich aber doch durchlässige Trennwand aus Tribünenteilen auf der Drehscheibe rotiert, die die Liebesspielenden mit einem beweglichen Parcours aus ...
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Theater heute Juli 2025
Rubrik: Aufführungen, Seite 13
von Silvia Stammen
15. Mai 2025. Kneift mich mal! Es ist doch nicht zu glauben. – Auch jetzt noch nicht, am Tag danach, auf der Rückfahrt von Mülheim an der Ruhr, im Regionalzug irgendwo hinter Cottbus. Mitten im Wald hält er, dort, wo die Strecke auf wenigen hundert Metern zweigleisig verläuft. Wir warten am roten Signal. Mein Blick fällt in die von der Abendsonne beschienenen...
Was würden wir tun, wenn wir der Bestie gegenüberstünden?», fragt das Programmheft des litauischen Showcase TheAtrium. Würden wir gemeinsam kämpfen, «wie ein einziger Organismus», oder uns vielleicht doch lieber einfach totstellen? Und was, wenn wir entdecken würden, dass die Bestie kein äußerer Feind, sondern das Verdrängte in uns selber ist – etwas, das sich...
Eine lange Tafel mit zahlreichen Stühlen unterschiedlichster Form und Größe erstreckt sich über die Breite der Bühne. Samtbezogen mit hoher Lehne wie ein Thron der eine, aus derbem Holz der andere, ein dritter ragt kaum über die Tischkante (Bühne Nina Linkowski). Durch den dunklen Vorhang dahinter lugt das gespenstisch blasse Gesicht einer Frau mittleren Alters....
