Kopf und Körper
Wo gerade in allen Tunneln mal wieder so gar kein Licht scheinen mag, die Sparziele der Kulturpolitik immer hemmungsloser werden und Zuschauerreihen nach wie vor nicht ganz so dicht gefüllt sind, wirkt es wie eine Art offensive Themaverfehlung: Einfach mal nicht die Krisenherde der Welt auf dem Schirm haben, nicht Relevanz heischend die neuesten Debatten umgraben, sondern abtauchen zum Urgrund von (Schau-)Lust und süßem Schmerz, der bei Triggerwarnungen meist fahrlässig vergessen wird: In München ging es im Frühling – tatsächlich mal wieder – um die Liebe!
Und das gleich d
oppelt. Zweimal Shakespeare, zweimal der große Unbekannte, um dessen Identität und sexuelle Orientierung sich auch mehr als 400 Jahre nach seinem Tod Legenden ranken, schon weil seine Dramen und Sonette so viele amouröse Vexierspiele auf Leben und Tod austesten, für die es zu seiner Zeit noch gar keine Namen gab. Alles dreht sich also ums große Gefühl, ganz buchstäblich in Elsa-Sophie Jachs «Romeo und Julia»-Inszenierung am Residenztheater, wo eine anfangs wuchtige, letztlich aber doch durchlässige Trennwand aus Tribünenteilen auf der Drehscheibe rotiert, die die Liebesspielenden mit einem beweglichen Parcours aus ...
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Theater heute Juli 2025
Rubrik: Aufführungen, Seite 13
von Silvia Stammen
Mit dem Motto «V is for LoVe» steht Milo Raus Freie Republik Wien bei den dortigen Festwochen unter heftigem Gefühlsdruck. Wie viel freie Liebe hat die Kunst?
Bettina Schmidt ist eine verspielte Person, sagt sie selbst, und genauso geht sie auch an ihre Rollen heran: ein Porträt
Wie sieht der American Dream aus der Sicht von Migrant:innen aus? Und was bedeutet es,...
Nietzsche-Vorkenntnisse seien keine Pflicht, beruhigt der Abendzettel, der mit Ohrstöpseln und einer Farb -anaglyphenbrille auf dem Sitz bereitliegt, es wird laut, es wird zur räumlichen Imagination eingeladen, «inbegriffen sind zwei Zeiträume, in denen Sie entweder auf der Bühne tanzen, auf Ihrem Sitzplatz verweilen oder sich im Foyer erfrischen können»....
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Ein Schlafzimmer, C und S im Bett. Sie versuchen zu schlafen, aber werden durch großen Lärm aus der Wohnung über ihnen gestört. Aufgebrachte Stimmen, ein heftiger Streit, Gepolter, geworfene Gegenstände. Dazwischen immer wieder jammernde Kinderstimmen.
C Ah, jetzt kommen auch die Kinder dazu. Jetzt können wir’s vergessen.
S Ja.
C Letztes Mal habe ich den älteren...
