Waffen und Aschen
Am Ende stehen vierzehn Berner Kinder auf der Stadttheaterbühne und zitieren die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Ist es der hoffnungsvolle Blick in eine gerechtere Zukunft? Oder schon Nostalgie in einer Welt, in der die Regeln nicht mehr viel gelten? In der «Orestie» feiert Aischylos die Gründung des demokratischen Rechtsstaats (und der damaligen Weltmacht Athen).
Um die Spirale von wechselseitiger Gewalt zu durchbrechen, die sich wie ein Fluch durch Generationen von Atreus-Abkömmlingen zieht, setzt die Göttin Athene am Schluss der Tragödien-Trilogie den Areopag ein, ein Gericht mit menschlichen Richtern. Ein revolutionärer Vorgang.
In Bern bricht Regisseurin Anja Behrens die Erzählung unmittelbar davor ab – am Ende des zweiten Teils, als Orestes sich den Erinnyen ausgesetzt sieht – und ersetzt die Gerichtsverhandlung durch die UNO-Resolution von 1948, ein demokratischer Aufbruch nach den Schrecken des Zweiten Weltkriegs. Haben wir das alles schon wieder vergessen? Oder glauben wir noch daran?
Es sind unbequeme Fragen, mit denen uns diese Berner «Orestie» in die Stadt entlässt. Zuvor durchmisst sie die Tragödienhandlung kompakt und mit mächtigen, archaisierenden Bildern. ...
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Theater heute Mai 2026
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Andreas Klaeui
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