Wackel wackel, hyper hyper
Da stehen diese sieben Vibrationsplatten. Schwarze, knöchelhohe Geräte, deren Oberfläche per Knopfdruck auf der Fernbedienung anfängt zu wackeln. Zu Beginn gibt es Wackelpudding bei Familie Wingfield – und das rote Glibberzeug steht also auf dieser Platte und zuckt ekstatisch hin und her. Ein netter Gag, könnte man denken.
Aber was sich Regisseurin Jaz Woodcock-Stewart und ihre Ausstatterin Rosie Elnile ausgedacht haben, ist weit mehr als ein Gag, denn die Vibrationsplatten spielen quasi die fünfte Rolle in der Inszenierung von Tennessee Williams’ «Die Glasmenagerie» im Schauspielhaus des Theaters Basel. Die Geräte visualisieren zum Beispiel die inneren Zustände derer, die auf ihnen das Gleichgewicht zu halten suchen. Etwa Tochter Laura: Sie kümmert sich liebevoll um die titelgebende Glasmenagerie, ähnelt selbst zerbrechlichem Glas und kann mit den leblosen Tierchen viel besser umgehen als mit ihren Mitmenschen, die ihr allesamt zu nahe rücken. Wenn Laura auf der Platte steht und wackelt, dann zeigt sie auch äußerlich ihren Seelenzustand; innerlich zittert sie ohnehin unablässig wie Espenlaub.
Fragile Beziehungen
Die Platten symbolisieren aber auch die Fragilität menschlicher ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute April 2025
Rubrik: Aufführungen, Seite 15
von Valeria Heintges
Künstlicher kann Natur nicht aussehen. Carolin Pflüger hat eine Art Brunnen auf die Bühne im Kleinen Haus des Bremer Theaters gestellt, umrankt von Efeu und eingefasst von penibel gestutzem Rasen. Leise brummend zieht ein Mähroboter seine Runden, und auf dem Brunnenrand sitzen vier Jugendliche, plaudern, kichern. Sven Pfizenmaier beschreibt in seinem Roman «Draußen...
Die Wut, wo kommt sie her? Der zentrale Satz in Necati Öziris Roman «Vatermal» und auch in Bassam Ghazis Inszenierung im Schauspiel Köln lautet: «Ihr wart beides, weg und trotzdem da. Und deshalb hätten wir euch doch gebraucht. Aber anders. Damit ihr uns vorlebt, wie man mit der Gewalt, die in einem schlummert, umgeht, wie man Wut in Taktik verwandelt.» Alle drei...
Der eine fordert von seinen drei Töchtern einen öffentlichen Liebesbeweis, der andere von Hunderttausenden Staatsbeamten Loyalität oder Kündigung. Der eine kompensiert Machtverlust mit Übergriffen auf Bedienstete, der andere mit einem Sturm aufs Kapitol. Der eine bezeichnet die Vagina, insbesondere die seiner Töchter, als «Hölle» und «Schwefelloch», der andere …...
