Teddy ermittelt
Künstlicher kann Natur nicht aussehen. Carolin Pflüger hat eine Art Brunnen auf die Bühne im Kleinen Haus des Bremer Theaters gestellt, umrankt von Efeu und eingefasst von penibel gestutzem Rasen. Leise brummend zieht ein Mähroboter seine Runden, und auf dem Brunnenrand sitzen vier Jugendliche, plaudern, kichern. Sven Pfizenmaier beschreibt in seinem Roman «Draußen feiern die Leute», was die so bewegt: Im Dorf wird das Zwiebelfest vor -bereitet, aber die jungen Menschen wollen nur weg, was junge Menschen auf dem Dorf bekanntermaßen immer wollen.
Weg, nach Hannover, dorthin, wo es aus Dorfperspektive nach Großstadt aussieht. Und wenn Hannover nicht geht, dann wenigstens in den Rausch. Oder in den Schlaf – Valerie (Sofia Iordanskaya) erzählt, dass sie eine Woche durchgeschlafen habe, aber Jugendliche erzählen viel. Nur Timo (Jan Grosfeld) will eigentlich bleiben, aber der verwächst nach und nach ohnehin mit dem Dorf, halb Mensch, halb Pflanze.
Pfizenmaier bleibt aber nicht im engen Rahmen des Coming-of-Age-Romans, bald reichert er seinen Stoff mit einer Krimihandlung an: Nach und nach verschwinden Jugendliche, nicht nur in die Großstadt, sondern buchstäblich. Viktor Lamert zeigt ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute April 2025
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Falk Schreiber
Die Wirklichkeit nicht in Ruhe lassen», so lautete das anfängliche Motto der Münchner Kammerspiele unter der Intendantin Barbara Mundel (die auch die Geschichte ihres Hauses und die Schick -sale der vielen von den Nationalsozialisten verfolgten und ermordeten Mitarbeiter nicht ruhen lässt). Inzwischen jedoch überwiegt das Gefühl, dass die Wirklichkeit uns nicht in...
Etwa so haben sich Generationen von Kindern den «lieben Gott» vorgestellt – mit freundlichem Gesicht unter einer wirren, wilden Mähne aus weißem Haar, der schmale Körper unter einem weiten Umhang, der bis zum Boden reicht. So ähnlich kam Heinz Kreitzen herab gewandelt aus dem Globe-Theater, das Bühnen-Erfinder Bert Neumann in den Prater-Saal der Ostberliner...
Philoktetes ist der größte griechische Kämpfer im Krieg um Troja, unbesiegbar und ausgestattet mit einem magischen Bogen. Allerdings leidet er nach einem Schlangenbiss unter einer eiternden und ekelhaft stinkenden Wunde, weswegen die Armee ihn aus Gründen der Kampfmoral auf einer Insel aussetzte. Dumm nur, dass damit auch das Schlachtenglück perdu ist, weswegen...
