In ähnlichen Beziehungen
Die Wut, wo kommt sie her? Der zentrale Satz in Necati Öziris Roman «Vatermal» und auch in Bassam Ghazis Inszenierung im Schauspiel Köln lautet: «Ihr wart beides, weg und trotzdem da. Und deshalb hätten wir euch doch gebraucht. Aber anders. Damit ihr uns vorlebt, wie man mit der Gewalt, die in einem schlummert, umgeht, wie man Wut in Taktik verwandelt.» Alle drei Darsteller der Hauptfigur Arda, 15, 20 oder 30 Jahre alt, sprechen diese Anklage an die Generation der abwesenden Väter gemeinsam.
Die Spannung zwischen deutscher Lebenswirklichkeit und türkischer Sozialisation, zwischen Wohlstandswunsch, erlebter Fremdheit, erlittener Ausgrenzung und ersehnter Heimatnähe schlägt sich in der Familie nieder. Daher kommt die Wut.
Und woher kommt die Gewalt? Sie wird in der Familie gelernt. Die Väter sind ihr primärer Quell. Aber sie geht weiter. Metin, der Vater, schlägt seine Frau Ümran, solange er bei der Familie ist, Ümran schlägt Aylin, ihre Tochter. Die aber bricht die Reihe, verlässt die Familie und ändert ihren Namen. Auch Arda bricht aus, sucht sich eine Ersatzfamilie in den drei ebenso vaterlosen Kumpels, mit denen er am Bahnhofsplatz abhängt. Aber er macht Abitur und studiert «was ...
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Theater heute April 2025
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Gerhard Preußer
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