Vorsicht, Rutschgefahr!
Der Eisberg, den die sieben Saarbrücker Schauspielerinnen und Schauspieler erklimmen, ist abschüssig. Trotzdem nimmt eine sogar den Kinderwagen mit hoch und rutscht auf einer seitlichen Rutsche wieder mit ihm runter. Das Publikum staunt, wie sie das schafft, hat sich zu diesem Zeitpunkt aber bereits von der Vorstellung verabschiedet, auf dem kühlen Schuldenberg könne tatsächlich jemand abgleiten. Im Gegenteil.
Man muss den Eisberg wohl als Bild dafür nehmen, dass im Reich der Schulden zwar eisige Rutschgefahr wie am Nordpol besteht, der Schuldner aber beim Eintritt in die Gemeinde der Schufa-Verdächtigen die Witterung akzeptiert und in einer Parallelwelt lebt, in der er weder den Frost drohender sozialer Ausgrenzung noch die Kälte der Strafverfolgung als Problem wahrnimmt. Warum sollte er auch nicht auf Pump leben und Warenkataloge plündern, wo die soziale Marktwirtschaft doch allem Anschein nach das Gebot des Verkaufens auf jeden Fall über die Frage nach der Liquidität des Käufers stellt?
Und hat der wachsende Schuldnerberg nicht auch einen neuen Berufsstand geschaffen: Den Schuldnerberater, den Kathrin Röggla vor zwei Jahren ebenso konsultierte wie all die Schuldner und deren ...
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Manchmal muss man sehr früh aufstehen, um nichts zu verpassen. Als sich an diesem Montagmorgen im Juni ein Grüppchen Menschen beim vereinbarten Treffpunkt im Wiener Museumsquartier eingefunden hat, ist es kurz nach drei Uhr morgens und noch dunkel. Die wackeren Leute sind gekommen, um die Premiere der niederländischen Performance «Het blauwe uur» («Die blaue...
Man wartet ja immer auf das Stück zur Wende, zur Klimakatastrophe oder zum Terrorismus. Jetzt haben wir eins, und dafür ist es sogar ziemlich gut (nachzulesen auf den Seiten 68–81 in diesem Heft). Simon Stephens betritt den 7. Juli 2005, den Tag, als in London 52 Menschen durch Bombenanschläge in U-Bahnen und einem Bus starben, durch die Seitentür. Nicht die Täter...
Vielleicht macht der Ort es notwendig, die Stimme zu erheben, um sich bemerkbar zu machen. Was die Tonfrequenz betrifft, hatte der Beginn der neuen Düsseldorfer Schauspielhaus-Intendanz etwas marktschreierisch Buntes, fleißig assistiert von der Präsenz der Intendantin Amélie Niermeyer in den Gesellschaftsspalten der Lokalpresse. Flankierende Maßnahmen, um sich zu...
