Im Mühlrad der Bilanzen
Alles Lebensglück der Buddenbrooks wurzelt in ihren Bilanzen; und die sehen schlecht aus. Von einstmals 900.000 Vermögen sind der Lübecker Kaufmannsfamilie in der dritten Generation noch 750.000 geblieben. Es hätte längst «eine Million» sein sollen, erinnert Stammhalter Thomas Buddenbrook an das merkantile Wachstumsversprechen der Seinen, während er selbst zum glücklosen Krisenmanager schrumpft. Am Schluss besiegelt Thomas den «Verfall» seiner Familie durch den Verkauf des elterlichen Hauses an ein aufstrebendes Konkurrenzunternehmen.
Erfolg ist kontingent geworden; immer haben ihn die anderen.
Ökonomisch zugespitzt also und dabei weniger als opulente Familien-Saga denn als Psychogramm einer überforderten Generation in wohlstandsungewisser Zeit – so präsentiert sich Thomas Manns Romanklassiker aus dem Jahre 1901 in der Bühnenfassung, die John von Düffel 2005 für das Hamburger Thalia Theater hergestellt hat (TH 2/06). Eine «Tragödie der Affirmation» diagnostiziert von Düffel bei seinen zwei jungen Protagonisten Thomas und Tony Buddenbrook. Obwohl die wirtschaftliche Realität es immer weniger zulässt, klammern sich die Kinder an das Rollenbild ihrer Eltern und pflegen deren Prestige- ...
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Neulich geriet Armin Petras, den man nicht unbedingt als wortkargen Menschen kennt, auf einem Podium ins Stocken: Der Moderator hatte lässig nachgefragt, wie viele Inszenierungen er in der vergangenen Saison eigentlich herausgebracht habe. Petras dachte lange nach. Dann spekulierte er: «Sechs? Sieben?»
Dürfte in etwa hinkommen: Mehr als siebzig...
In Memmingen vor einem Jahr hätte es einen veritablen Skandal geben können. Aber irgendwie kam die ganze Sache nie so richtig an die Öffentlichkeit, dann wuchs auch schon Gras drüber, und heute, wenn man die gedeckelte Geschichte noch einmal zur Sprache bringen will, erntet man nur noch ein müdes Lächeln. Auch von denen, die damals direkt beteiligt waren bei den...
Noch immer dient das Leben großer Geister dem voyeuristischen Publikum als Beglaubigung für deren Denken. Eine existentielle Grundierung einsamer Schreibtischkämpfe befördert zumeist den Nachruhm; materielle oder seelische Nöte bewirken dann wenigstens verspätete Rezeptionsgewinne. Was wäre Nietzsche in unseren Augen ohne sein umnachtetes Ende, was Kierkegaard...
