Von Neumannflasche bis Goebbelsschnauze

Das multisensorische Hörspiel: Eine Sonderausstellung im Deutschen Technikmuseum Berlin

Theater heute - Logo

In «Lob der Blindheit», dem zentralen Text seines Buches «Rundfunk als Hörkunst», polemisierte der Film- und Radiotheoretiker Rudolf Arnheim schon 1936 gegen jenen «unausstehlichen Typ von Kunstgenießer», der ein Kunstwerk danach beurteilt, wie stark es seine «Fantasie» anrege.

Man habe sich streng daran zu halten, was vom Künstler geboten werde, und keinesfalls sei der Kunstgenießer befugt, das Werk seinerseits durch eigenes Hinzufantasieren zu komplettieren: «Statuen darf man nicht nachträglich mit rosa Fleischfarbe bemalen, und Rundfunksendungen darf man nicht nachträglich sichtbar machen.» 

Fleischfarben haben das Deutschlandradio und das Technikmuseum Berlin das Hörspiel zwar nicht angemalt, aber immerhin auf Schwarz-Weiß-Fotos kann man sich noch bis zum 19. Februar nächsten Jahres ein Bild vom Hörspiel und seinen Produktionsbedingungen machen. «Schauplatz Hörspiel» nennen die Ausstellungsmacher Joseph Hoppe (Technikmuseum) und Marion Hoock (DLR) ihre Installation für die einsinnige Kunstform und «multisensorisch» obendrein. Es gibt also nicht nur etwas zu hören, nämlich Produktionen des Deutschlandradios in extra angefertigten Hörsesseln, etwas zu sehen, nämlich Fotos aus ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute November 2005
Rubrik: Medien/TV, Seite 66
von Jochen Meißner

Vergriffen
Weitere Beiträge
«Man ist im freien Theater anders verantwortlich»

Theater heute Das Stadttheater, heißt es immer wieder, gräbt der Freien Szene die besten Leute ab, stürzt sich auf verheißungsvolle Talente und innovative Ansätze. Wilfried Schulz, was haben Sie als Intendant des Staatsschauspiels Hannover in den letzten Jahren so aus der Freien Szene abgeschöpft?

Wilfried Schulz Ich glaube, der Übergang ist schon seit längerer...

Der König ist nackt

Mit Symbolfarben ist es so eine Sache. Drei Tage vor der deutschen Hauruck-Wahl, die anschließend in Macho-Gedröhn und rechthaberischem Patt versandete, konnte man beim Betreten des Zuschauerraums in Düsseldorf für einen Moment glauben, in eine Wahlveranstaltung für die Kanzlerkandidatin der CDU geraten zu sein: Orangenes Licht ergießt sich über den Zuschauerraum,...

In der Pathosdestille

Mit Destillaten ist es so eine Sache. Die Verknappung und Verdichtung aufs Wesentliche, aufs gewissermaßen Hochprozentige, die der Begriff zu versprechen scheint, ist leichter angesagt als getan. Helmut Krausser nennt seinen dramatischen «Gesang vom Untergang Burgunds» ein «Nibelungendestillat» und zitiert als Motto auch gleich noch Heidegger: «Die Sprache ist die...