Gewalt und Versenkung
Noch ist der Kampf nicht ausgefochten. Noch kann sich Anatolij Wassiljew, einer der herausragenden Erneuerer des russischen Theaters aus der inzwischen älteren Generation, nicht wirklich sicher sein, dass die von ihm initiierte, vom mächtigen Moskauer Bürgermeister Jurij Luschkow nachhaltig geförderte und darum lange Zeit schier unaufhaltsam expandierende «Schule der dramatischen Kunst» die jüngeren finanziellen Verwerfungen im neuen Moskau unbeschadet überstehen wird.
Mehrere höchst edel restaurierte Räumlichkeiten stehen dem solitären Theater-Visionär zur Verfügung in der weithin blankgeputzten und manche Erinnerung an das, was früher war, großspurig ignorierenden Moskauer Innenstadt. Und viele der zur sechsten Ausgabe des in Nachwendezeiten gegründeten Tschechow-Festivals anreisenden internationalen Gäste werden im «Moskauer Programm» des dreigeteilten Gesamtangebots womöglich gerade Wassiljews rituelle Fantasie über das 23. Buch aus der «Ilias» des Homer für wichtiger und eindrucksvoller gehalten haben als manches schlichtere Werkstück des reisenden Festival-Business im internationalen oder experimentellen Programm. Derweil jedoch musste sich der Meister in Moskau selbst fragen ...
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