Gewalt und Versenkung
Noch ist der Kampf nicht ausgefochten. Noch kann sich Anatolij Wassiljew, einer der herausragenden Erneuerer des russischen Theaters aus der inzwischen älteren Generation, nicht wirklich sicher sein, dass die von ihm initiierte, vom mächtigen Moskauer Bürgermeister Jurij Luschkow nachhaltig geförderte und darum lange Zeit schier unaufhaltsam expandierende «Schule der dramatischen Kunst» die jüngeren finanziellen Verwerfungen im neuen Moskau unbeschadet überstehen wird.
Mehrere höchst edel restaurierte Räumlichkeiten stehen dem solitären Theater-Visionär zur Verfügung in der weithin blankgeputzten und manche Erinnerung an das, was früher war, großspurig ignorierenden Moskauer Innenstadt. Und viele der zur sechsten Ausgabe des in Nachwendezeiten gegründeten Tschechow-Festivals anreisenden internationalen Gäste werden im «Moskauer Programm» des dreigeteilten Gesamtangebots womöglich gerade Wassiljews rituelle Fantasie über das 23. Buch aus der «Ilias» des Homer für wichtiger und eindrucksvoller gehalten haben als manches schlichtere Werkstück des reisenden Festival-Business im internationalen oder experimentellen Programm. Derweil jedoch musste sich der Meister in Moskau selbst fragen ...
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Die «American Beauty» der Vorstädte treibt seltsame Blüten, nicht erst seit Sam Mendes in diesem Biotop wilderte, um die Tragödie eines lächerlichen Mannes zu erzählen. Der Widerspruch zwischen äußerlicher Gediegenheit und innerer Verkommenheit hat Edward Albee schon vor 40 Jahren beschäftigt und interessiert ihn noch immer. Allein, ihn psychologisch dingfest zu...
Barbara Burckhardt Der Held ihres Theaterstücks «Orpheus, Illegal», Stanislaw Perfetzki, ein reisender Dichter und politischer Aktivist, scheint nicht nur Ihr Alter Ego zu sein, er ist auch identisch mit dem Protagonisten Ihres dritten Romans von 1996, «Perversion», der ebenfalls nach Venedig reist, einen Kongress besucht und sich in eine schöne Ada verliebt....
Wäre das Fernsehen eine überregionale Tageszeitung, wäre die «Kulturzeit» das Feuilleton. Jenes Zeitungsbuch also, das der kulturbeflissene Leser schlechterdings nicht ignorieren, wohl aber sorgsam gefaltet für eine spätere Musestunde zur Seite legen kann. Genau da fängt das Problem für die «Kulturzeit» an: Das Fernsehen mag mit seinen verschiedenen...
