Jenseits des Generationenvertrags

Shakespeare «König Lear»

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Mit Vater ist nicht mehr viel los. Er hängt nur noch apathisch rum und redet häufiger mal wirr. Wenn er mit seinen alten Herren zusammen ist, schlagen sie kräftig über die Stränge. Und furchtbar launisch ist er geworden. «Vater, du bist alt. Vater, du wirst peinlich.» So muss es kurz vor der Abschiebung ins Pflegeheim zugehen, oder eben vor der Abschiebung König Lears in die Wälder Südenglands, mitten hinein in die Gewitternacht.

Dort kann der Wahnwitz dann zwar ungestört walten, aber um die medizinische Grundversorgung ist es derart schlecht bestellt, dass einem bei all dem doch etwas bang wird. Wie herzlos diese Töchter, wie wehrlos das Alter!

Dabei beginnen Antje Charlotte Sieglin und Judith Raab als Regan und Goneril alles andere als boshaft. Sie sind resolute, moderne Frauen. Wenn sie die zechende Ritterschar um Lear zurechtweisen und Hausverbote aussprechen, dann verfolgen sie ein Ordnungsanliegen. Ihr alter Herr ist unregierbar geworden, ein Haushaltsrisiko. Für Momente wirkt das alles sehr aktuell: Geht es uns heute nicht genau darum, um die Anrechte des Alters und den Generationenvertrag zur Rentensicherung? Wird nicht hier und da über eine Beschränkung des Wahlalters ...

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Theater heute November 2005
Rubrik: Chronik, Seite 44
von Christian Rakow

Vergriffen
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