Von der Würde des Durchwurschtelns
Der eine ist der berühmteste Geldfälscher der Zwischenkriegszeit. Weil der Maler Salomon Sorowitsch von seiner Kunst nicht leben kann, verdient er sein Geld mit falschem Geld. Ein kriminelles Talent, das er notfalls auch in den Dienst der Nazis stellt, obwohl sie ihn, den Juden aus Odessa, ins KZ gesteckt haben. Der andere, Adolf Burger, würde hingegen jedes Opfer bringen, um die Pläne der Nazis zu boykottieren, und nähme dafür selbst den Märtyrertod von Kameraden in Kauf.
Der Dritte schließlich ist selbst ein Nazi und ehrgeizig managender «Menschenführer», der genau weiß, dass man mit Gewalt einiges, mit der richtigen Mischung aus Druck und Belohnung aber noch sehr viel mehr erreichen kann.
Diesen Dritten, den KZ-Kommandanten Friedrich Herzog, spielt Devid Striesow, der zur Zeit in fast jedem guten und besseren deutschen Film aus einer Nebenrolle eine tragende macht. Sein Herzog bleibt bis zum Schluss das Rätsel, das er offenbar auch in der historischen Wirklichkeit war: Noch am Set, erzählt der österreichische Regisseur Stefan Ruzowitzky («Die Siebtelbauern», «Anatomie»), hätten sich die Zeitzeugen Burger und Plappler darüber gestritten, ob Herzog «seine Juden» gerettet habe oder ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
So war die Story irgendwann vielleicht im Morgenblatt zu lesen: Junger Mann aus Stuttgart verunglückt mit dem Motorrad in Buenos Aires; und die junge Frau, vor deren Tür es geschah, bringt ihn nach Hause. Der Schweizer Autor Andreas Liebmann nutzt den Augenblick künstlerisch weit darüber hinaus – vom Lebenseinschnitt aus montiert er poetische Szenen der Erinnerung....
Eigentlich hatte man mit dem (halb)jährlichen Kroesinger schon seinen Frieden geschlossen: Wieder ein postdramatischer Abend, der den dokumentarischen Finger in eine noch nicht verheilte politische Wunde legt, der sich, je nach Krisengebietswind, den islamischen Selbstmordattentätern, der zum Foltern bereiten US-Armee, der deutschen Kolonialgeschichte in Afrika...
In den ersten Jahren nach 1945 war Berlin eine schwarzweiße Stadt. Die Kameraleute, die in den Ruinen arbeiteten und den Menschen dabei zusahen, wie sie den Schutt des Untergangs wegräumten, drehten in Schwarzweiß. Billy Wilder, der mit Marlene Dietrich in die Stadt kam, um die Komödie «A Foreign Affair» zu drehen, filmt ebenfalls in Schwarzweiß. Die...
