Das Rockstar-Ding

Und mehr als das: Der Schauspieler Lars Eidinger zeigt an der Schaubühne viel ehrliche Haut – und kämpft dabei öffentlich gegen die Scham. Ein Porträt

Theater heute - Logo

 Wenn die Party beginnt, begibt sich Lars Eidinger in sein Element. Eine innere Tür geht auf, er tritt über die Schwelle und in eine andere Welt, in der er nicht mehr er selbst ist. Sondern ein Rockstar. So wie zum Auftakt des «Sommernachtstraums», den Constanza Macras und Thomas Ostermeier letzten Sommer in Athen und an der Berliner Schaubühne präsentierten.

Noch während das Publikum über die Bühne in den Saal strömt, von Tänzerinnen und Schauspielern per Handschlag begrüßt und mit Bowlebechern versorgt, steht Eidinger schon im Zentrum des Treibens, rhythmisch klatschend, 80er-Jahre-Strähnen im Gesicht und mit einer Haltung, so triumphierend und selbstgewiss, dass Prince vor Neid erblassen würde. Er greift nach Männern, die in der ersten Reihe sitzen. Einer dreht sich lachend weg, ein anderer folgt ihm auf die Bühne und lässt sich ausführlich auf den Mund küssen. Eidinger tanzt und strippt und schwitzt, die Musik wird immer lauter und drängender und bricht erst ab, als er schließlich dasteht, wie Gott oder die Welt ihn geschaffen haben. 

Was dann folgt, darüber ist bereits viel geredet und geschrieben worden. Eidinger zieht seinen Penis durch die Mundöffnung einer Totenkopfmaske ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2007
Rubrik: Porträt, Seite 28
von Eva Behrendt

Vergriffen
Weitere Beiträge
Narzisstische Nervenspektakel

Mit diesem bürgerlichen Trauerspiel ist es eine komplizierte Sache. Seit Fritz Kortners vielgerühmter Inszenierung von 1970 gilt es als ausgemacht, dass Galottis Tochter den Prinzen von Guastalla «liebt», in ihn verknallt ist oder wie immer wir dieses eigentümliche Nervenspektakel einer widersinnigen Anziehung nennen wollen. 

Das macht allerdings weder die Deutung...

«Dieser Ort braucht das Theater mehr als jeder andere»

In Belfast, Nordirland, ist die Kluft zwischen Protestanten und Katholiken seit dem im Karfreitagsabkommen beschlossenen Waffenstillstand von 1998 sogar noch gewachsen. Die preisgekrönten Stücke der aus Nordirland stammenden Dramatiker Mary Jones, Tim Loane und Daragh Carville am Tinderbox Theatre spiegeln die Situation in Belfast, das um den Titel der...

Einstellungsstopp mit vierzig

Die Lüge ist eine zähe Partnerin. Sie überdauert sogar noch jeden redlich in Angriff genommenen Suizid: Wäre ja noch schöner, wenn man sich durch eigens inszenierte Autounfälle einfach so aus dem Selbstbetrugskorsett herausstehlen könnte! In Florian Fiedlers Inszenierung von Arthur Millers «Tod eines Handlungsreisenden» am Schauspiel Frankfurt nimmt der soeben...