Von der Realität überrannt
Armin Petras hat Pech gehabt. Erst fällt die Premiere von «Auferstehung» nach Lew N. Tolstoi zwei Mal wegen Erkrankungen im Ensemble aus, dann macht ihm der russische Angriffskrieg einen Strich durch die Rechnung. Denn während man vorher vermutlich vieles an seiner Inszenierung ganz interessant gefunden hätte, wirkt es in Anbetracht der derzeitigen Lage eher deplatziert.
Die niedlichen Pappköpfe, mit denen die jugendliche Annäherung zwischen einem russischen Fürsten und einem Zimmermädchen erzählt wird, das folkloristische Schattenspiel, das die Lebensrealität der Landbevölkerung im ausgehenden 19. Jahrhundert darstellen soll, und die schneeweiße Energieanlage, die auf ein Straflager in Sibirien verweist: Das alles scheint der etwas verklärten Vorstellung eines deutschen Regieteams über Russland entsprungen zu sein. Einem Team, dem neben Armin Petras auch der Bühnenbildner Peter Schickart und die Kostümbildnerin Annette Riedel angehören.
Dies ist für sich genommen natürlich legitim. Schließlich befinden wir uns im Theater und nicht in einer Nachrichtensendung, trotzdem lassen die vielen märchenhaften Szenen die Inszenierung an manchen Stellen harmloser erscheinen, als sie sein ...
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Theater heute Mai 2022
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Anna Fastabend
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