Von der Realität überrannt

Armin Petras nach Tolstoi «Auferstehung» im Deutschen Theater Berlin

Theater heute - Logo

Armin Petras hat Pech gehabt. Erst fällt die Premiere von «Auferstehung» nach Lew N. Tolstoi zwei Mal wegen Erkrankungen im Ensemble aus, dann macht ihm der russische Angriffskrieg einen Strich durch die Rechnung. Denn während man vorher vermutlich vieles an seiner Inszenierung ganz interessant gefunden hätte, wirkt es in Anbetracht der derzeitigen Lage eher deplatziert.

 

Die niedlichen Pappköpfe, mit denen die jugendliche Annäherung zwischen einem russischen Fürsten und einem Zimmermädchen erzählt wird, das folkloristische Schattenspiel, das die Lebensrealität der Landbevölkerung im ausgehenden 19. Jahrhundert darstellen soll, und die schneeweiße Energieanlage, die auf ein Straflager in Sibirien verweist: Das alles scheint der etwas verklärten Vorstellung eines deutschen Regieteams über Russland entsprungen zu sein. Einem Team, dem neben Armin Petras auch der Bühnenbildner Peter Schickart und die Kostümbildnerin Annette Riedel angehören. 

Dies ist für sich genommen natürlich legitim. Schließlich befinden wir uns im Theater und nicht in einer Nachrichtensendung, trotzdem lassen die vielen märchenhaften Szenen die Inszenierung an manchen Stellen harmloser erscheinen, als sie sein ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2022
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Anna Fastabend

Weitere Beiträge
Die Puppe – Kunstfigur, Ichfigur

Nach ihren zwei ersten Theaterstücken veröffentlichte Elfriede Jelinek im Jahr 1983 in der Zeitschrift «Theater heute» eine kernige Absage an das Theater heute, mit der sie rücksichtslos an dessen Grundfesten rüttelt. Ihr Text «Ich möchte seicht sein» erzeugte bei den Bühnen schnell eine gewisse Gereiztheit. Denn für die Betroffenen, Regisseure, Schauspieler,...

Sterben, dekorativ

Der kleine Prinz ist zurück. Er trägt einen gelben Schal zum grünen Hemd und findet nach einer langen Reise den Heimweg nicht mehr. Nur der tödliche Biss einer Schlange kann ihn zurückbringen zu seiner Rose, die ihn braucht. Arne De Tremerie stürzt längs hin. So kann er aussehen, der Theatertod. 

Der kleine Prinz war De Tremeries erste Theaterrolle, da war er noch...

Premieren 5/22

AACHEN, THEATER 
6. Churchill, In weiter Ferne 
R. Martin Schulze

ANSBACH, THEATER 
7. Strömquist, I’m every woman (DE) 
R. Maike Bouschen 
14. Walser, Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel 
R. Laurent Gröflin

AUGSBURG, STAATSTHEATER 
8. Horváth, Geschichten aus dem Wiener Wald 
R. Sebastian Schug

BADEN-BADEN, THEATER 
22. Cervantes, Don Quijote 
R. Birga Ipsen 
28....