Widersprüche aushalten
Wie frau es macht, ist es verkehrt: Die Kinder -lose ist kalt, herzlos und unweiblich, auch wenn sie sogar das Klima schont. Die Frau, die will, kann auf einmal nicht und begibt sich in die brutalen Zwänge der Kinderwunschindustrie. Die Mutter, die es zu Kindern gebracht hat, scheitert an der Karriere und ist sowieso an allem schuld, während die Übermutter ohne Arbeit verwöhnte Monster heranzüchtet. Kinder sind heutzu -tage permanent Fetisch und Störfaktor zugleich – und alle drumherum äußern ihre Meinung, spitzt Kathrin Röggla in «Kinderkriegen 4.
0» die gesellschaftliche Lage zu.
2012 war das Stück noch ein musicalartiges Auftragswerk am Münchener Residenztheater, in Dortmund ist nun die «Musik verloren gegangen, weil die familienpolitischen Umstände dagegen sprachen». So steht es in der Regieanweisung des Dreiakters, der weder Handlungs -bögen noch dramatische Zuspitzungen aufweist – sondern eher ein hyperaktives Auf-der-Stelletreten ist. «Kinderkriegen 4.0» ist zudem sicher kein Stück übers Kinderkriegen, sondern eher eine Beschreibung von Druck und Erwartungen an Elternschaft, die sich stets widersprechen und in den letzten zehn Jahren höchstens durch Diskurse wie «Regretting ...
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Theater heute Mai 2022
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Dorothea Marcus
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Schenkeli. Mit großem Ernst verteidigt Karin Pfammatter die ausgebackenen Krapfen, die es in der Schweiz vor allem zur Fasnachtszeit gibt, gegen deutsche Kollegenignoranz. Sie sind das höchste der Gefühle! Man muss den Namen nur richtig aussprechen. Auch sonst ist alles entspannt bei diesem Frühstück, das sich die Performer:innen etwa zur Halbzeit des knapp...
Der Schriftsteller Édouard Louis, 1992 noch unter dem Namen Eddy Bellegueulle im nordfranzö -sischen Hallencourt geboren, hat erneut ein (sehr schmales) Buch über ein Mitglied seiner proletarischen Familie geschrieben: Auf seinen Vaterro -man «Wer hat meinen Vater umgebracht?» folgt nun das Mutterbuch «Die Freiheit einer Frau». Paul Behren, der in Falk Richters...
