Von Akten und Affen
Eigentlich hatte man mit dem (halb)jährlichen Kroesinger schon seinen Frieden geschlossen: Wieder ein postdramatischer Abend, der den dokumentarischen Finger in eine noch nicht verheilte politische Wunde legt, der sich, je nach Krisengebietswind, den islamischen Selbstmordattentätern, der zum Foltern bereiten US-Armee, der deutschen Kolonialgeschichte in Afrika oder der RAF zuwendet. Wieder eine Collage aus historischen Quellen, literarischen und Gebrauchstexten, gesprochen von Darstellern, die keine Rollen spielen, sondern als sachliche Vermittler brisanten Sprechmaterials auftreten.
Und wieder ein in seinem Anspruch auf Aufklärung mitunter ziemlich durchdringender Blick auf natürlich komplexe Verhältnisse.
Doch «History Tilt», Hans-Werner Kroesingers letzte Arbeit am Berliner HAU 3, war plötzlich anders. Zwar gab es den Kroesingerschen Krisenherd, diesmal den türkischen Völkermord 1915 an den Armeniern, der bis heute nachglüht und weitere Opfer fordert, wie zuletzt den am 19. Januar auf offener Straße erschossenen armenisch-türkischen Journalisten Hrant Dink. Und wieder rezitierten die Schauspieler Judica Albrecht, Nicola Schößler, Godehard Giese und Lajos Talamonti aus diversen ...
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