Halbwelttheater
Der österreichische Filmemacher Götz Spielmann (Jg. 1961) hat im Auftrag des Linzer Landestheaters sein erstes Stück geschrieben. Bevor er sich an die Arbeit machte, hat er Shakespeare gelesen. «Das hat mich dankenswerterweise inspiriert», verrät der Autor im Programmheft.
«Imperium» hat zwar nichts mit Shakespeare zu tun. Aber wenn man so will, kann man Spielmanns Erstling als eine Art Königsdrama lesen. Der König ist hier allerdings ein Bordellbetreiber namens Wessely.
Der Mann hat sich im Lauf der Jahre ein kleines «Imperium» aus elf einschlägigen Betrieben aufgebaut, aber wenn das Stück beginnt, machen sich schon erste Risse im Gebälk bemerkbar: Obwohl Wessely gute Kontakte zur Polizei pflegt, werden in seinen Lokalen neuerdings ungewöhnlich häufig und manchmal sogar unangemeldet Razzien veranstaltet. Der Verdacht erhärtet sich, dass die Konkurrenz von einem Spitzel aus den eigenen Reihen mit Informationen versorgt wird. Wie sich herausstellen wird, ist Wesselys Geliebte die undichte Stelle; zu Unrecht hat der Provinzpate seine rechte Hand Ronnie verdächtigt. Dieser beginnt derweil ein Liebesverhältnis mit Wesselys Tochter Palucca, die Cello spielt und im Bett deshalb zu ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Mit diesem bürgerlichen Trauerspiel ist es eine komplizierte Sache. Seit Fritz Kortners vielgerühmter Inszenierung von 1970 gilt es als ausgemacht, dass Galottis Tochter den Prinzen von Guastalla «liebt», in ihn verknallt ist oder wie immer wir dieses eigentümliche Nervenspektakel einer widersinnigen Anziehung nennen wollen.
Das macht allerdings weder die Deutung...
Kalte Böen peitschen durch die Spitalerstraße, die schnurstracks vom Hamburger Hauptbahnhof zum Thalia Theater führt, das letzte Aufseufzen von Orkan Kyrill, der zwei Tage zuvor Europa in Aufruhr und Stillstand versetzt hatte. Im Wind schwankt ein glatzköpfiger Typ, nicht jung, nicht alt, ein riesiges Holzkreuz in der Hand. Mit donnernder Stimme brüllt er gegen den...
1923 in Berlin, auf dem Dach der Schallplattenfirma Vox in der Potsdamer Straße, wird der erste Sender für den Unterhaltungsrundfunk eingerichtet. Was das neue Medium beinhalten soll, ist noch ebenso offen wie die Frage, wer es beherrschen wird. Aber wohl nicht ganz zufällig geht es buchstäblich auf den Schultern des akustischen Massenmediums los, das den Rundfunk...
