Vom Wels befreit
«So, Leute, das Land ist frei.» Arbeit erledigt. Tell schmeißt seine goldene Armbrust in den Teich, mit der er zuvor den tyrannischen, brutalen Reichsvogt Gessler niedergestreckt hat. «Das Land ist frei, das Land ist frei», singen die Fische lustig im Chor und lassen tanzend die Flossen flattern. Und das Publikum klatscht enthusiasmiert mit und jubelt. Eine solch frenetisch-fröhliche Reaktion auf die Feier demokratischer Ideen erlebt man im Theater im Allgemeinen ja nicht.
Und das ist das Schöne an Christian Weises Inszenierung von Friedrich Schillers letztem Drama «Wilhelm Tell»: dass dieser Abend genau so endet – ob das Publikum nun wegen der fetzigen Musik beglückt ist oder wegen des besungenen Inhalts. Auf jeden Fall gereicht sein Echo dem freiheitlich befeuerten Dichter zu Ehren, dessen «Tell» die diesjährigen Schillertage des Mannheimer Nationaltheaters eröffnete.
Gespielt wird open air, auf der Seebühne im Seitenbecken des Kutzerweihers im Mannheimer Luisenpark, auf dem Gelände der diesjährigen Bundesgartenschau. Das Stück um Rütlischwur und Apfelschuss, in dem Schiller den Gründungsmythos der Schweiz mit dem sagenumwobenen eigenbrödlerischen Meisterschützen verknüpft hat, ...
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Theater heute August-September 2023
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Verena Großkreutz
ALTENBURG/GERA, THEATER
8.9. Shakespeare. Viel Lärm um Nichts
R. Jan Jochymski
BADEN-BADEN, THEATER
23.9. nach Büchner, Waits u.a., Woyzeck
R. Sandra Leupold
BASEL, THEATER
8.9. Haug nach Sophokles, Antigone
R. Antú Romero Nunes
21.9. Meinhold und Schötz, Little Ice Age
R. Marthe Meinhold
BERLIN, BERLINER ENSEMBLE
23.9. Büchner, Woyzeck
R. Ersan Mondtag
21.9....
Man kann sich das heute gar nicht mehr vorstellen, aber es gab Zeiten, da konnten Intendantinnen oder Intendanten nur dann den Job wechseln, wenn ihr Vertrag ausgelaufen war. Heute scheinen Verträge nur noch so lange bindend, bis ein besseres Angebot vorliegt. Die Wiener Festwochen haben von dieser Entwicklung in jüngster Zeit zuerst profitiert und dann darunter...
Vor dem eigentlichen Spielbeginn lässt sich eine wortlose Naherfahrung mit dem anderen Geschlecht machen. Sie wird die angenehmste an diesem Abend sein. Eine kleine Peepshow-Box mit zwei Glitzervorhängen (einer für Männer, einer für Frauen) lädt zum Betreten ein. Für mehrere Sekunden stehe ich auf engstem Raum einem sympathischen jungen Mann, dem Schauspieler...
