Bomben und Granaten

Nino Haratischwili «Phädra, in Flammen» (U) am Berliner Ensemble

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Phädra hat sich an einem rot gefärbten Sandkasten niedergelassen. Erschöpft vom Dasein, aber ihre Waffen sind noch nicht gestreckt. «Ich bin es leid, werde ich ihm sagen, ich bin es so leid», sind ihre ersten Worte. Doch wie Constanze Beckers Phädra sie ausspricht, klingt nichts jammervoll daran. Mit ruhigem Duktus, dazu hohe Stirn und festen Blick, stemmt sie sich gegen ihr Los, als Frau in den mittleren Jahren aufs Abstellgleis zu rutschen, während der Mann im politischen Amt reüssiert.

Um Phädra herum deuten Wände mit Videobildern attische Landschaften mit Zypressen und Villen an, mitunter auch symbolistische Blumenmeere. Aber ihre Weiten sind bloßes Versprechen. In einem «heiligen Kerker» steckt diese Phädra fest. Sie sagt es, sie fühlt es. Wie eine Isolierte wird sie hernach ihre Familienmitglieder empfangen: den Gatten Theseus (Oliver Kraushaar) – Herrscher von Athen, Bezwinger des Minotaurus –, der zumeist auf fernen Feldzügen Ruhm und Ehre sammelt. Und ihre beiden Söhne: Demophon, der agile wiewohl unsichere Erstgeborene (Maximilian Diehle), dem der Vater längst die Thronübergabe versprochen hat, aber er lässt sich Zeit, so viel Zeit. Und daneben das Muttersöhnchen Acamas ...

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Theater heute August-September 2023
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Christian Rakow

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