Vom Tanzen und Sterben
Diese Situation kennt man vielleicht aus wirren Albträumen: Man hat eine Leiche am Hals, weiß nicht, woher sie kommt und ob man selbst für den Tod des Menschen verantwortlich ist. «Hitze» («La Chaleur»), der erfolgreiche Debütroman des Franzosen Victor Jestin (Jahrgang 1994), fängt mit einer ähnlich absurden Situation an: Der 17-jährige Léonard beobachtet den Suizid eines Jungen namens Oscar, der sich gerade mit einem Schaukelseil stranguliert, greift nicht ein, verscharrt die Leiche anschließend am Strand und schweigt.
Ziemlich unüberlegt, vernichtet er damit doch alle Beweise für den Suizid. Aber Léonard ist eben ein unsicherer, verwirrter, empfindlicher Teenager. Der jetzt tote Junge hatte zuvor auf einer Strandparty das Mädchen geküsst, das auch Léonard begehrt. Ist seine Eifersucht der Grund für seine Lethargie beim Beobachten des Suizids? Ist er schuldig, gar ein Mörder, weil er nicht eingegriffen hat?
«Hitze» ist ein Coming-of-Age-Roman, der auf einem französischen Riesencampingplatz – gelegen in einem Pinienwald hinter Atlantikdünen – spielt. Der jugendliche Nachwuchs tut sich zusammen, um der Familienurlaubslangeweile zu entkommen; feiert, trinkt, tanzt, sucht sexuelle ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute 11 2022
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Verena Großkreutz
Vier Körper liegen bäuchlings auf einer Rampe, den Kopf voran. Sie tragen lediglich Unterwäsche und scheinen hinab zu stürzen, ins Nichts zu fallen. Nur spärlich wird die Rampe erleuchtet, der Rest der Bühne versinkt im Dunkel. Minutenlang bleibt das Bild eingefroren, scheint unverändert im Dämmerlicht. Oder rutschen die Leiber? Verschiebt sich das Bild? Ohne dass...
Er ermordet seinen Vater, verheiratet sich mit seiner Mutter, bringt als König die Seuche übers Land. An der Schuldfrage kommt Ödipus selbst so wenig vorbei wie alle, die sich mit seinem Drama beschäftigen, namentlich in der Ausformulierung durch Sophokles. Nicolas Stemann beantwortet sie ungefähr in der Mitte seiner Zürcher Inszenierung mit aller denkbaren...
Zu den Eigenheiten des Wiener Volkstheaters gehört die sogenannte Bezirke-Tournee. Seit 1954 tingelt das Theater – zusätzlich zum regulären Programm – mit eigens dafür produzierten Inszenierungen durch die Festsäle von Volkshochschulen und ähnlichen kommunalen Einrichtungen. Die Reihe «Volkstheater in den Außenbe -zirken» (heute: «Volkstheater Bezirke») ist eine...
