Vom berechtigten Zweifel
Geschichte ist Gegenwart. Am Beginn von Arthur Schnitzlers «Professor Bernhardi» situiert die Angabe «Wien um 1900» die Komödie in der Regierungszeit des Wiener Bürgermeisters Karl Lueger (sprich Lu:eger), von dem Adolf Hitler nach eigenen Angaben lernte, den Antisemitismus als politisches Kampfmittel einzusetzen.
Als «Professor Bernhardi» 1912 in Berlin zur Uraufführung kam, war Lueger bereits seit zwei Jahren nicht mehr Wiener Bürgermeister, dennoch blieb das Stück, in dem ein jüdischer Arzt und Klinikleiter einem katholischen Priester aus medizinischen Gründen den Zugang zu einer sterbenden Patientin verweigert und dafür mit einer öffentlichen Kampagne gegen ihn und einer Verurteilung zu zwei Monaten Haft bezahlt, noch bis 1918 verboten. Zu brisant erschien die Auseinandersetzung mit dem so weitverbreiteten wie tiefsitzenden Judenhass. Und es ist erst knapp zehn Jahre her, dass der «Dr. Karl Lueger-Ring» umbenannt wurde und damit auch die Adresse des Burgtheaters nicht mehr an diesen prominenten und in Wien jahrzehntelang verehrten Antisemiten erinnert. Auch ist es wohl kein Zufall, dass die Diskussionen um das große Denkmal am weiterhin nicht umbenannten «Dr. Karl ...
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Theater heute Jahrbuch 2021
Rubrik: Neue Stücke, Seite 144
von Sebastian Huber
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