Die Straßen sind hysterisch
Wenn Ausflugsschiffe fahren, fahren sie hier vorbei: Pirna, Sächsische Schweiz. Und hoch oben über der Elbe, auf den Sandstein gesetzt wie eine Kleckerburg, der Sonnenstein. Hier glänzt das sanierte Sachsen, Schaufelraddampfer im Mississippi-Style, Dixieland-Musik und Radeberger an Bord, und dann die Landschaft: «Herrlisch!»
13.720 Menschen wurden hier binnen eines Jahres systematisch ermordet. Sie wurden mit Kohlenmonoxid vergast und anschließend in einem extra dafür erbauten Krematorium verbrannt.
Der Sonnenstein war eine von sechs «Tötungsanstalten», in denen die NS-Administration auf direkten Befehl Adolf Hitlers zwischen 1940 und 1941 insgesamt 70.000 Menschen, denen eine psychische Erkrankung oder «Behinderung» diagnostiziert worden war, töten ließ. Die Asche, so heißt es, habe man zum Teil einfach den Hang zur Elbe hinab gekippt.
Als die Autorin Tine Rahel Völcker 2015 das erste Mal in Pirna ankam, brandeten gerade die Pegida mit all ihrer gespenstischen Wucht durch die Straßen des nahen Dresden. Die Frage nach (Dis-)Kontinuitäten zwischen dem Nationalsozialismus und heute beschäftigt Völcker seit Jahren, hier muss sie nicht erst entwickelt werden. Sie schwimmt auf der Elbe ...
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Theater heute Jahrbuch 2021
Rubrik: Neue Stücke, Seite 161
von Ludwig Haugk
nature is not natural – and it can never be naturalized
timothy morton
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