Digitale Liveness und Kopräsenz
Die Forderung, dass sich Theater dem digitalen Wandel in der Gesellschaft stellen muss – und zwar sowohl inhaltlich mit den Mitteln der Kunst als auch in der Anpassung der eigenen Produktionsprozesse – ist nicht neu. Die eigene Sichtbarkeit im Digitalen und damit einhergehende neue Praxen der Inszenierung und Rezeption für digitale Bühnen hat vor 2020 allerdings eine eher punktuelle Rolle im Aufführungsgeschehen deutschsprachiger Theater gespielt.
Erst die Lockdowns haben mit Wucht vorgeführt, was passiert, wenn man Theatern die physischen Bühnenräume nimmt – eine ganze Kunstform ist über Nacht verstummt. Dass dann furchtlos und mit Mut zum Ausprobieren und Scheitern und Weiterprobieren und Lernen der digitale Raum ebenfalls quasi über Nacht entdeckt und bespielt wurde, zeugt von der Resilienz unserer Kunst.
Wir haben endlich mit der leidigen Kontra-Debatte aufgeräumt und uns selber bewiesen, dass es keinen Gegensatz und Widerspruch zwischen dem Analogen und dem Digitalen geben muss – nur unterschiedliche Arten, mit verschiedenen Bühnen umzugehen. Natürlich ist ein Stream etwas anderes als ein Schauspiel auf der Guckkastenbühne – aber eine große Oper mit Orchester, Chor und ...
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Theater heute Jahrbuch 2021
Rubrik: Streaming, Seite 86
von Tina Lorenz
Das absolute Fundament von Theater und auch der große Unterschied zum Kino, Fernsehen, Streaming ist die mehrdimensionale Rezeption dessen, was sich auf der Bühne abspielt. Die momentanen Sinneswahrnehmungen von Spieler:innen und Publikum treffen simultan aufeinander und sorgen für ein exklusives Erlebnis. Niemand vor und nach genau dieser einen Vorstellung wird...
Hotels – wir kennen sie als Durchgangsräume par excellence, Orte temporären Zuhauseseins, gleichzeitig in ihrer Blütezeit Embleme einer in der Selbstrepräsentanz zu sich gekommenen Gesellschaft. Emre Akal lädt uns in seinem neuen Stück in ein besonderes Exemplar der Gattung ein. Das digital-eskapistische «Hotel Pink Lulu» verspricht genau das zu sein: Durchgangsort...
Theater heute
Die Theaterzeitschrift im 62. Jahrgang
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