Vodoo für Wanja

Tschechow «Onkel Wanja»

Theater heute - Logo

 

In grauen Arbeitskitteln treten sie vor das Publikum, wie Hausmeister, Elektriker, Verkäufer, fragen: «Was wissen wir eigentlich von der Arbeit? Was wissen wir von ihr und den auflösbaren Bezügen zwischen der Arbeit, dem Sinn unseres Lebens und der Form unserer Gesellschaft?» Das bleibt die Frage des Abends, und dazu wird, mit kräftiger Hilfe von «Onkel Wanja», assoziiert, geforscht, bebildert.

Ein Video auf großer Leinwand zeigt Arbeitsprozesse, Maschinen und Menschen bei der Produktion, das soll vermutlich bedeuten: Sonja und Wanja bewirtschaften eine mittelständische Fabrik, keinen Landsitz. Tatsächlich arbeiten sieht man hier keinen, auch bei Tschechow wird nur geredet. Der Arzt Astrow (Götz Schulte) tritt vor und rattert los von einem Kranken, der ihm weggestorben ist. Neben ihm steht, raucht und hustet fesch dekolletiert Wanjas Mutter (Gabriele Köstler). Den Arzt kümmert die Hustende nicht, völlig befangen in seinem Berufsunglück – unempfindlich seiner Zuhörerin wie später allen Anwesenden gegenüber. Ein kalter Manischer, der sich nur für seinen Wald erwärmt, dessen Karte auf seine Brust gezeichnet ist. Und für Elena, die ebenfalls kalt ist, unerreichbar. Wo warme Gefühle ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2005
Rubrik: Chronik, Seite 40
von Ulrike Kahle

Vergriffen
Weitere Beiträge
«Ich wollte unbedingt nach Kassel»

Das für ein Einsatz: Er hat sich an die Wand geworfen, immer wieder, bis er endlich niedergesunken ist. Käfergleich hat er sich dort am Boden um die eigene Achse gedreht und mit den Füßen gegen die Wand getreten, als wollte er, der Schwerkraft trotzend, bis zur Decke hochspazieren. Hat ein armseliges Tannenbäumchen umarmt, hat dem Chauffeur über die Stoppelhaare...

Das Schöne, bundesweit und werbefrei

Mit der Kultur ist das so eine Sache. Sie ist ein Suffix, das man an jeden beliebigen Begriff anhängen kann: Wohn-, Ess-, Freizeit- oder gar Freikörper-… – alles kulturelle Phänomene. In den Medien kommt der Begriff aber auch gerne als Präfix vor, vorzugsweise als Kulturauftrag. Das DeutschlandRadio (nur echt mit der Arno-Schmidtschen BinnenMajuskel) schlägt jetzt...

Pop und Terror

Vielleicht war ja mal wieder Jean Baudrillard dran schuld. Oder Paul Virilio oder Guy Debord oder einer von denen. Der Aufstand der Zeichen, die Geschichte als Retro-Szenario, rasender Stillstand, you name it you got it. Wahrscheinlicher aber ist es einfach die Zeit, Nine-Eleven, Guantanamo, der genetische Fingerabdruck. Ein Unbehagen gegenüber der Welt und die...