Gier ist geil
In unserer Serie über den Missbrauch von Theaterschauspielern im Fernsehen heute: Robert «Faust» Hunger-Bühler als Casanova in «Giacomo Casanova. Das Geheimnis seines Erfolgs». Er legt ihn als zwanghaft verträumten, irr-schlafwandlerischen Triebtäter an, der alles in seinen lustgeilen Kopf hinein saugt, woraus es ihm wieder aus den Augen trieft. Der Kopf ist seine erogene Zone, der Körper schleicht ihm nach.
Der Schauspieler sichert sich mit diesem Rückzug seiner Figur gegen alles ab – gegen seine barbusigen oder bekleideten Gespielinnen, gegen seinen plump chargierenden Gefängniswärter Lambert Hamel, gegen das Drehbuch, gegen die Kritik.
Einerseits macht er das sehr gut. Er übersteht den sogenannten «opulenten» Historienfilm fast völlig unangefochten, was etwas heißen will. Beinahe schwebt er. Mit zwei, drei schwül-zielgerichteten Blicken bricht der altersmäßig durchaus grenzwertige Giacomo Hunger-Bühler die Herzen der stolzesten Fraun. Gier ist geil. Geil ist geil. Andererseits kann man so natürlich alles spie-len. Die Verfertigung von mildem, geheimnisvollen Wahn gehört zu den abgehangensten Tricks des Schauspielergewerbes.
Richard Blanks für den Bayerischen Rundfunk ...
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