Vitaler Überlebensmodus

Das Münchner Spielart Festival entfaltet zwischen den Krisen Lust am Widerstand

Welt um sich spüren, nicht nur online, sondern ganz real, mit Menschen aus anderen Kontinenten in einem Raum, ist in diesen Zeiten zu einem kostbaren Gefühl geworden. Ausgiebig Gelegenheit dazu gab es im Herbst noch einmal in München. Wie durch ein Wunder hat das internationale Spielart-Festival in seinem zweijährigen Turnus genau die Lücke erwischt, in der nach dem Abebben der dritten Welle und vor dem Auftauchen der Omikron-Variante internationale Gastspiele wieder möglich waren.

Fast wider Erwarten und trotz diffiziler Herausforderungen mit Visabestimmungen und der Anerkennung unterschiedlicher Impfstoffe bei der Einreise konnten fast alle der 40 geplanten Gastspiele und Produktionen stattfinden. Kuratorin Sophie Becker, die Spielart bereits seit 2008 unter der Leitung von Festivalgründer Tilman Broszat dramaturgisch begleitet und zunehmend durch ihre engen Künstlerkontakte gerade auch im asiatischen und südafrikanischen Raum mitgeprägt hat, kann sich in ihrer ersten allein verantworteten Ausgabe darin bestätigt sehen, vorwiegend auf Präsenzveranstaltungen gesetzt und über Jahre gewachsene Produktionspartnerschaften weiterentwickelt zu haben. Resilienz – ganz basal im Sinne von ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2022
Rubrik: Festivals, Seite 48
von Silvia Stammen

Weitere Beiträge
Das Private und das Politische

Nostalgie hat Konjunktur, gerade in rechten Kreisen. Die Sehnsucht nach der vermeintlich guten alten Zeit, als die Verhältnisse noch übersichtlicher, die Familien intakt, die Ordnung stabil, die Identitätspolitik noch unbekannt, Gendern kein Thema und die Kommata noch da gesetzt wurden, wo sie vor 100 Jahren gesetzt wurden, zieht sich durch alle Schichten und...

Die Bühne dreht sich, weil sie es kann

James Bond ist schon mal der elegantere Agent. Und der effektivere. Adolf Verloc in Joseph Conrads 1907 erschienenem Roman «Der Geheimagent: eine einfache Geschichte» ist dagegen ein Mitläufer, der im Jahrhundertwende-London ein bisschen in anarchistische und linke Zirkel reinschnuppert. Ein Spitzel, der der Polizei Tipps über die Umtriebe in diesen Zirkeln gibt....

Lücken bleiben

Direkt neben der Keupstraße, dem Ort des NSU-Nagelbombenanschlags von 2004, liegen seit 2014 die Spielstätten des Schauspiels Köln. Die Verankerung des Schauspiels in diesem wenig beachteten Stadtteil am Rande Kölns wurde vor allem dadurch erreicht, dass der damalige Chefdramaturg Thomas Laue und Regisseur Nuran David Calis den zehnten Jahrestag des Anschlags zum...