Verzerrung der Wahrnehmung

She She Pop würde auf individuellen Verzicht gerne verzichten

Theater heute - Logo

Etwas sträubt sich in uns gegen die öffentliche Rede vom persönlichen Verzicht. Es erinnert an Kardinaltugenden, an die Mäßigung, die Platon insbesondere dem unteren Stand verordnet. (Die oberen Stände dürfen sich um Weisheit und Tapferkeit kümmern.

) Soll wirklich jede:r bei sich selbst anfangen? Ist die Rede vom individuellen Verzicht nicht der unpolitische Rückzug, nachdem Enteignung, Systemwechsel und Um -verteilung ausgeschlossen wurden? Die Kehrseite des neoliberalen Mythos von der indi -viduellen Verantwortung? Oder vielmehr seine Vorderseite: also die, auf der geschrieben steht, dass das Politische eigentlich privat ist? Nichts gegen den Versuch, sich individuell einzuschränken! Im Alltag unserer Kompanie und innerhalb der Produktionsbedingungen der Freien Szene ist das freiwillige Verzichten allerdings kaum vom notwendigen Sparen zu unterscheiden. Und es wäre inte -ressant zu klären, wie sicher oder prekär die Position ist, aus der wir einander vom Ver -zichten erzählen.

Aber selbst wenn wir mit Geld und Privilegien und Sicherheit alle gleichmäßig versorgt wären – auf die freiwillige Einzelleistung im Verzichten würden wir nicht bauen wollen. Dazu ist die Sache zu wichtig. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2023
Rubrik: Verzicht, Seite 71
von She She Pop

Weitere Beiträge
Back to the boots

Ich verzichte auf: Unnötige Autofahrten – außer Eishockeytaschen und Eishockeyspieler müssen transportiert werden, scheint das sehr gut aufzugehen. Manchmal wäre es hilfreich, wenn die Bahn nicht so willkürlich geworden wäre, dass man manchmal einfach in Darmstadt oder Basel Bad so mir nichts dir nichts nachts gestrandet wäre … «Nein, also das nächste Mal fahre ich...

Die Wachstumsillusion

Viele Jugendliche verzweifeln an den Erwachsenen. Die Klimakrise gefährdet ihre Zukunft, doch unablässig entstehen neue Treibhausgase. «Was macht unsere Eltern nur so ratlos?», fragt sich etwa Klimaaktivistin Luisa Neubauer. Genauso wenig kann sie begreifen, warum die langjährige deutsche Kanzlerin weitgehend untätig blieb. «Merkel ist Physikerin. Müsste sie da...

Endlich!

Eine Einladung, in Erinnerungen zu schwelgen», verspricht die spiralgebundene Drei-Kilo-Chronik «Kampf ums Paradies», die sich das Deutsche Theater zum Ende der Ära Khuon geschenkt hat. Tatsächlich sind hier nicht nur die 384 Premieren verzeichnet, die die Riesenmaschine Deutsches Theater in 14 Spielzeiten – das sind im Schnitt 27,5 Premieren pro Saison –...