Verstummt!
Wie finster die Welt geworden ist, kann man in den jüngeren Inszenierungen am Badischen Staatstheater Karlsruhe schon beinah körperlich spüren. Ob in Ewald Palmetshofers «Die Verlorenen» oder Bertolt Brechts «Furcht und Elend des Dritten Reiches» – stets suchen Figuren vor dunklem Hintergrund nach Halt. Vergeblich! Ähnlich düster mutet Adrian Figueroas Adaption von Aki Kaurismäkis Film «Das Mädchen aus der Streichholzfabrik» von 1990 an, der wiederum auf das bekannte Märchen von Hans Christian Andersen Bezug nimmt.
Im Zentrum steht Iris (Lucie Emons), eine Arbeiterin, die tagtäglich in der Fabrik für das Auskommen der Familie sorgt. Sortiert sie nicht Schachteln mit dem Scanner, sitzt sie bei den Eltern, die außer dem Schlürfen der Suppe keinen Ton von sich geben. Wie die kinematografische Vorlage beschränkt sich die Inszenierung fast vollständig auf minimalistische Gestik und Mimik. Es herrscht beklemmende Stille. Der Sinn für Kommunikation ist allen Figuren dieses Trauerspiels lange verloren gegangen.
Kein Wunder, denn ein ausbeuterischer Kapitalismus saugt ihnen und allen voran der Protagonistin förmlich das Blut aus. Schon in der Kulisse (Bühne Nina Peller) scheint die Fabrik ...
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Theater heute April 2026
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Björn Hayer
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