Saugen und Wischen
Wolfgang hat eine Neue. Sie heißt Sophia, und wenn er sagt, er habe sie im Internet kennen gelernt, ist das eine Pointe: Sophia ist ein humanoider Roboter, als «Partnership-Setting» hat Wolfgang «Sophisticated» gewählt. Das bedeutet, dass Sophia in seinen Leibthemen beschlagen genug ist («Ich interessiere mich für Hellenismus und Humanismus»), um sich mit ihr unterhalten zu können, aber auch die Wohnung sauber hält («Soll ich jetzt saugen und wischen, lieber Wolfgang?»).
Mit der KI-Komödie «Sophia oder Das Ende der Humanisten», seinem ersten Stück seit mehr als sieben Jahren, hat Moritz Rinke offenbar etwas geliefert, auf das die Theater gewartet hatten: Nach der Uraufführung an den Kammerspielen in Wien (der auf Komödie spezialisierten Dependance des Theaters in der Josefstadt) kamen bzw. kommen in dieser Spielzeit noch vier weitere Inszenierungen von «Sophia» heraus, darunter die deutsche Erstaufführung am Berliner Renaissance-Theater. Die künstliche Intelligenz ist auf dem Boulevard angekommen.
Wolfgang ist Professor für Alte Geschichte, hat seine Professur allerdings kürzlich niedergelegt, um einem Disziplinarverfahren zu entgehen. Er fremdelt nicht nur mit gendergerechter ...
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Theater heute April 2026
Rubrik: Chronik, Seite 63
von Wolfgang Kralicek
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