Schauplatz München
Millionendorf, Isar-Athen, Schicki-Micki-Weltstadt mit Herz, aber auch einst «Hauptstadt der Bewegung» und immer wieder Schauplatz rechtsterroristischer Anschläge – kaum eine Großstadt kokettiert so sehr mit ihrer komplizierten Vergangenheit und der Hass-Liebe zu sich selbst und macht sich dabei auch gern mal ein bisschen wichtiger, als sie von außen betrachtet sein mag.
Das Residenztheater (nicht das «Theater der Stadt», wie sich die städtischen Münchner Kammerspiele gern nennen, sondern das staatlich geförderte Haus) nimmt in dieser Saison die Licht- und Schattenseiten seines Standorts zum Leitfaden, an den sich gleich eine ganze Reihe von Spielplanpositionen anbinden lassen, angefangen von Horváths Kleinbürger-Apokalypse auf dem Oktoberfest «Kasimir und Karoline» in der eingedunkelten Regie von Barbara Frey über Rainald Goetz’ ausschweifende Totenbeschwörung «Lapidarium» bis zu Michał Borczuchs noch ausstehender Spurensuche nach «Mercury» (Freddy), der Anfang der 1980er in den legendären Schwulenclubs im Glockenbachviertel feierte.
Auch Albert Ostermaier, echtes Münchner Kindl und dem Residenztheater seit seinen dichterischen Anfängen in den 1990ern verbunden (sein erstes Stück ...
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Theater heute April 2026
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Silvia Stammen
Auf die nackte Wand des Wiener Akademietheaters wird ein historisch anmutendes Foto projiziert: Wer war der jüdische Mann auf dem Bild, der auf Sommerfrische stolz eine österreichische Tracht trägt? Keine Frage: Die Uraufführung «Isidor» ist eine Spurensuche.
Die Berliner Journalistin und Moderatorin Shelly Kupferberg wurde in einem Dachboden in Tel Aviv in längst...
Das Bild des Boulevard de Temple, des Pariser Theaterviertels – gedruckt auf einem Gaze-Vorhang – hängt wie eine Erinnerung, wie ein Mahnmal auf der Bühne. Eine Fotografie aus dem Jahr 1838, für die Louis Daguerre die Straßenszene so lange belichtet hatte, dass alle Menschen in Bewegung nicht mehr zu erkennen sind. Bloß noch ein Schuhputzer und sein Kunde sind auf...
Christine Wahl Frau Schlewitt, herzlichen Glückwunsch zum Theaterpreis des Bundes 2026! In einem Text über Ihr Haus wird eine Zuschauerin mit dem Satz zitiert: «Wenn es HELLERAU nicht gäbe, wäre ich schon längst weg aus Dresden.» Was findet sie bei Ihnen, was ihr sonst in der Stadt fehlt?
Carena Schlewitt Ich glaube, ein großer Reiz besteht tatsächlich darin, dass...
