Schauplatz München
Millionendorf, Isar-Athen, Schicki-Micki-Weltstadt mit Herz, aber auch einst «Hauptstadt der Bewegung» und immer wieder Schauplatz rechtsterroristischer Anschläge – kaum eine Großstadt kokettiert so sehr mit ihrer komplizierten Vergangenheit und der Hass-Liebe zu sich selbst und macht sich dabei auch gern mal ein bisschen wichtiger, als sie von außen betrachtet sein mag.
Das Residenztheater (nicht das «Theater der Stadt», wie sich die städtischen Münchner Kammerspiele gern nennen, sondern das staatlich geförderte Haus) nimmt in dieser Saison die Licht- und Schattenseiten seines Standorts zum Leitfaden, an den sich gleich eine ganze Reihe von Spielplanpositionen anbinden lassen, angefangen von Horváths Kleinbürger-Apokalypse auf dem Oktoberfest «Kasimir und Karoline» in der eingedunkelten Regie von Barbara Frey über Rainald Goetz’ ausschweifende Totenbeschwörung «Lapidarium» bis zu Michał Borczuchs noch ausstehender Spurensuche nach «Mercury» (Freddy), der Anfang der 1980er in den legendären Schwulenclubs im Glockenbachviertel feierte.
Auch Albert Ostermaier, echtes Münchner Kindl und dem Residenztheater seit seinen dichterischen Anfängen in den 1990ern verbunden (sein erstes Stück ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute April 2026
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Silvia Stammen
Sie heißen Elisabeth, Sophie und Diana. Sie sind ratzfatz verheiratet, damals verdammt jung, und natürlich jungfräulich. Sie leben in einer Zeit, in der Frauen gehandelt wurden wie Tafelsilber, Anwesen oder Ländereien, ihr Jobtitel war Thronfolger-Gebärende, am liebsten mit Aprikosenduft im Dekolleté.
Bis heute sind sie – mystisch, unerreichbar und blaublütig –...
Theater heute Ihr neues Stück «To My Little Boy» hat eine interessante Zentralfigur: Dr. Aaron Smykalla, ein schwuler Geologe, der an einem Bundesforschungszentrum arbeitet und auch im zarten Alter von 42 Jahren noch eine sehr enge Beziehung zu seinem Kuscheltier pflegt, einem pinken, schon leicht derangierten Schwein aus Polyester, genannt Tupper. Im Übrigen geht...
Die Leute strengen sich einfach nicht ausreichend an. «Unter Druck entstehen Diamanten», weiß der gegelte Businesstyp vom «Hanseatischen Kaufmannsbund» (Rune Jürgensen), der einen Preis für vorbildliches Engagement im Rattenrennen an den Autor Olivier David verleihen will. «Jeder kann es schaffen!», beschwört er den Leistungsgedanken, und David ist dafür das beste...
