Schauplatz München
Millionendorf, Isar-Athen, Schicki-Micki-Weltstadt mit Herz, aber auch einst «Hauptstadt der Bewegung» und immer wieder Schauplatz rechtsterroristischer Anschläge – kaum eine Großstadt kokettiert so sehr mit ihrer komplizierten Vergangenheit und der Hass-Liebe zu sich selbst und macht sich dabei auch gern mal ein bisschen wichtiger, als sie von außen betrachtet sein mag.
Das Residenztheater (nicht das «Theater der Stadt», wie sich die städtischen Münchner Kammerspiele gern nennen, sondern das staatlich geförderte Haus) nimmt in dieser Saison die Licht- und Schattenseiten seines Standorts zum Leitfaden, an den sich gleich eine ganze Reihe von Spielplanpositionen anbinden lassen, angefangen von Horváths Kleinbürger-Apokalypse auf dem Oktoberfest «Kasimir und Karoline» in der eingedunkelten Regie von Barbara Frey über Rainald Goetz’ ausschweifende Totenbeschwörung «Lapidarium» bis zu Michał Borczuchs noch ausstehender Spurensuche nach «Mercury» (Freddy), der Anfang der 1980er in den legendären Schwulenclubs im Glockenbachviertel feierte.
Auch Albert Ostermaier, echtes Münchner Kindl und dem Residenztheater seit seinen dichterischen Anfängen in den 1990ern verbunden (sein erstes Stück ...
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Theater heute April 2026
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Silvia Stammen
Ein Unbekannter kommt nach dem Dreißigjährigen Krieg ins Dorf, um sein Erbe anzutreten: ein halb eingefallenes Bauernhaus, ein Stück Land mit Acker und Wald. Der schmächtige Mann zeigt seine Papiere, erklärt knapp, warum er woanders aufgewachsen ist als sein ferner Verwandter und kaut auf einer Gewehrkugel herum, die er um den Hals trägt. Diese Kugel, erzählt er...
Das Leben im Himmel stellt man sich am Schauspiel Magdeburg plüschig-pink vor. Auf der Bühne ist alles und jeder in ein zartes Pink getaucht: Himmelswächter Petrus in seinem Leder-Overall, die langhaarigen Engel und die riesigen flauschigen Bälle, die man einander federleicht zuwirft.
Doch die Idylle wird jäh gestört, als auf der Erde ein Weltkrieg auszubrechen...
Wenn alte Autokraten auf den Gräbern der Gerechtigkeit tanzen, steht die junge Generation ratlos am Rande. Und wenn so ein Regime erst einmal richtig fault, wird aus vermeintlichen Thronfolger:innen eine Jugend ohne Zukunft, ohne Macht. Im glimpflichen Fall widmet sie sich ihren Zweifeln oder der Zerstreuung. Im weniger glimpflichen Fall ihrem Untergang. Das ist...
