Verschiedene Königinnen

Zu Elfriede Jelineks «Ulrike Maria Stuart»

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Schon im Titel von Elfriede Jelineks «Königinnendrama» «Ulrike Maria Stuart» kündigt sich eine merkwürdige Kombination an.

Denn was um alles in der Welt sollten die RAF-Terroristin Ulrike Marie Meinhof (1934–1976) und die schottische Königin Maria Stuart (1542–1587) außer der etwas schiefen Namensgleichheit wohl miteinander gemein haben? Oder verbindet sie gerade das: dass es ihnen beiden um jenes vermeintlich gewisse, zuletzt tödlich ungewisse «Alles in der Welt» geht?
 

Elfriede Jelinek hat bei allen historischen Bezügen nicht im Mindesten ein dokumentarisches Stück geschrieben. Abseits billiger RAF-Aufarbeitungs-Mode sucht sie einen anderen Sprach-Weg in deren Unheilsgeschichte. Was sie dabei zum Sprechen bringt, ist die Erinnerung an eine nur schlecht vernarbte Wunde unserer Vergangenheit, eine Erinnerung allerdings, die mit trauriger und erbitterter Wut vermischt ist, wie sich schon aus Jelineks Vorbemerkung herauslesen lässt: «Die Figuren müssen sozusagen fast jeden Augenblick von sich selbst zurückgerissen werden, um nicht mit sich selbst ident zu werden», heißt es da, denn sie seien nur «Produkte von Ideologie», die «quasi neben sich selber herlaufen», böse Masken ihres ...

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Theater heute Jahrbuch 2007
Rubrik: Autoren des Jahres, Seite 80
von Tilman Raabke

Vergriffen
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