Ein singender Tumor namens Stalin
Frotzi ist HermaphroditIn. Ihr wiederkehrendes Problem: Sie wacht morgens auf, und ihr Geschlecht ist weg. Zum Glück trifft sie auf ihrer Suche nach einer symbiotischen Beziehung auf Nobbi, einen freundlichen älteren Werwolf («kein problem ich steh dazu»).
Man kommt sich näher («wir haben sex und seine äußere Körperform ändert sich ständig»), sehr zum Entsetzen von Wowa, Frotzis verblödetem, dreiäugigen Bruder («kommt überhaupt nicht in frage der werwolf in meiner wohnung»), der sich nicht mehr durch die Ausgangstür nach draußen traut und von apokalyptischen Visionen geplagt ist («pass auf werwolf ich beobachte dich ich hab drei augen ich weiß bescheid»). Vorher sieht er auch den Tod von Dr. Foxy, HNO-Ärztin und Psychotherapeutin, zu der in der Hoffnung auf Heilung alle gehen.
Besonders dringlich sind die Besuche für Nobbi, dem am Kopf ein singender Tumor namens Stalin wächst («dieser körper erlaubt sich ja mal wieder einiges»), welcher immer mehr Besitz von ihm ergreift («so lang ich noch singe geht’s dir noch gut warte bis ich aufhöre chaos statt musik»). Nobbis Therapiewünsche («ich will einen neuen kopf mir reicht’s») finden bei Dr. Foxy wenig Gehör («ich finde nicht dass du ...
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Theater heute Jahrbuch 2007
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 161
von Thomas Jonigk
Absurd natürlich, von einem Stück zu erzählen von dem es bislang nur den Plot gibt und den Stückbeginn: «frau bosch,/ die ware,/wäre da/Sollen wir,/damit/ums Haus,/zum Keller,/in den Wäscheraum,/stellt doch hier ab, was ihr habt, in den Schatten, unters Dach, auf den Fußabstreifer, wo es trockenbleibt./Fang,/am,/An,/fang,/fang, /fang,an.» Hier ist sie wieder, die...
Wie das denn gehen solle, jammere ich der Freundin telefonisch ins Ohr – ein Geheimnis entschlüsseln, ein Rezept für Erfolg analysieren. Und nein, nein sagen, ginge in dem Falle gar nicht, schließlich wolle man vor der Herausforderung nicht kneifen, und es sei ja auch eine Ehre, und – stimmt – man fühle sich in seiner Eitelkeit geschmeichelt – und jetzt säße man...
Das Stück des Jahres ist ein Kuriosum: Man kennt Elfriede Jelineks «Ulrike Maria Stuart» aus bisher drei Inszenierungen in Hamburg, München und Hannover, die jeweils nur einen Bruchteil des 120-Seiten-Textes benutzten. Das Werk selbst ist nicht veröffentlicht. Deshalb
fasst der Dramaturg Tilman Raabke zusammen, worum es geht – als Schauspiel-Führer.
Nachwuchsaut...
