Radikale Räume
Luk Perceval Katrin Brack und ich, wir arbeiten schon seit 1990 zusammen, 17 Jahre sind das jetzt. Wir waren damals beide an einem Punkt, wo wir das Theater mehr oder weniger satt hatten. Ich wollte weg von jeder Form von Behauptung und suchte nach einer größeren Wahrhaftigkeit; bei Katrin war es ähnlich, sie wollte keine Bühnenbilder mehr, die nur dazu da waren, irgendwelche situativen Lösungen anzubieten oder symbolische Vergrößerungen von Inhalten oder Themen der Stücke, sondern Räume, die eher eine Wirklichkeit an sich kreierten.
Im Nachhinein wurde die Arbeit an der «Orestie» ein wichtiger Wendepunkt, und es ist gar nicht so zufällig, dass Mitko Gotscheff damals auf Katrin aufmerksam wurde.
Dimiter Gotscheff Die Arbeit mit ihr ist ganz einfach. Ich sage den Titel, Katrin schweigt (Pause) – sehr lange – (Pause), dann ruft sie mich irgendwann an und sagt, das sei so und so. Sie sagt «Nebel» oder «Schnee», «Schaum». Ich schweige dann auch, aber kurz, dann sage ich «ja».
Perceval Ich glaube, dass wir alle drei sehr stark von den Schauspielern fasziniert sind. Das hat auch mit dem Theatersystem zu tun. In Flandern waren wir von Tourneen abhängig, das Bühnenbild musste in einen ...
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Theater heute Jahrbuch 2007
Rubrik: Meisterinnen der Äußerlichkeit, Seite 118
von Thomas Irmer
Der ganz «normale» Wahnsinn einer deutschen (Klein?)Stadt. Es geht rau zu in dieser kleinen Welt am Rande, im Grau der Hochhäuser. Es geht um Materielles, um Sehnsüchte und um ein Leben, das im Grunde keiner lebt. «Wie ist es hier?» – «Normal.» – «Ziemlich dunkel.» Die Gewissheit der Vergeblichkeit. Das Warten auf etwas Entscheidendes. Nichts geht weiter. Es muss...
Die Russen sind endgültig im Westen angekommen. Moskau ist kapitalistischer, dynamischer und luxuriöser als jede deutsche Stadt. Auch die Provinz ändert sich, langsamer zwar, aber unaufhaltsam. Der vom Westen eingeklagte Mangel an Demokratie ist nicht das, was die meisten Russen bewegt. Längst ist auch der Normalbürger an das globale Geflecht der Waren- und...
Die Steuerquellen sprudeln wieder, und der Finanzminister ist kein armer Mann mehr. Damit sind die Voraussetzungen geschaffen, im Kulturbereich wieder umzusteuern. Nach über zehn Jahren des Sparens, Konsolidierens, Deckelns und Effizienzsteigerns besteht an den Öffentlichen Bühnen mehr als Nachholbedarf.
Eine Reportage von Franz Wille über das Quotendenken an den...
