Verschachtelte Lebenslinien
Manche Realitäten sind es wert, so gründlich erklärt zu werden, dass sie niemand mehr versteht. Oma zum Beispiel wusste anfangs noch, wie «Türken» aussehen. «Du meinst die Nomaden aus dem Altai, die sich in den letzten tausend Jahren mit Griechen, Armeniern, Bosniern, Albanern, Kurden, Arabern, Tscherkessen, Tschetschenen, Osseten, Georgiern, Lasen und Tartaren gekreuzt haben?», fragt ihr Sohn skeptisch. «Gut, dass du weißt, wie die aussehen.
» Akin Emanuel Sipals «Mutter Vater Land» braucht nur wenige Seiten, um einem die genealogische Dimension moderner Identitätsfragen um die Ohren zu hauen, und Frank Abts Inszenierung in der Uraufführung am Bremer Theater langt gleich noch kräftiger zu.
An der Oberfläche erzählt das Stück eine Familiengeschichte, die beim türkischen Großvater beginnt, einem populären Übersetzer deutscher Literatur und Romancier für Kenner*innen. Der hat in Istanbul beim elitären Nazi Germanistik studiert, später eine Frau kennenlernt, die nach dem Krieg aus Schlesien floh und erst wieder glücklich wurde, als endlich auch echte «Polacken» in die Nachbarschaft zogen, denen sie ihren Ost-Makel durchreichen konnte. Ihr gemeinsamer Sohn: ein Psychologe und Gigolo, ...
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Theater heute August/September 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 16
von Jan-Paul Koopmann
Was die Kunst, was das Theater kann und soll – die Fragen scheinen nach der Pandemie einerseits beantwortet: den Blick weiten, uns unserem Alltag und seinen immergleichen Problemen entreißen, um uns mit den Fragen anderer Menschen konfrontieren, mit ihrem Wünschen und ihrem Begehren, nachdrücklich, ästhetisch herausfordernd. In einem festgelegten Zeitraum, den ich...
AACHEN, THEATER
17.9. Payne, Konstellationen
R. Lisa Heinz 25.9. Wedekind, Lulu
R. Ludger Engels
ALTENBURG GERA, THEATER
5.8. Natschinski, Mein Freund Bunbury
R. Anna-Lisa Canton 13.8. Jacobs und Netenjakob, Extrawurst
R. Alexander Flache
ANSBACH, THEATER ANSBACH – KULTUR AM SCHLOSS
17.9. Albee, Wer hat Angst vor Virginia Woolf?
R. Maya Fanke
18.9. Zelter,...
Ob spanisch als Don Juan oder italienisch als Don Giovanni: Der Wüstling mit den überstarken Triebimpulsen, die er uneingeschränkt in Sex und Gewalt umsetzen darf, ist eine der präsentesten Gestalten in den europäischen Künsten – ob es sich dabei um Dichtung, bildende Kunst oder Musik handelt. Am bekanntesten geworden ist der maßlose Macho, der auch als furchtloser...
