Magic Moments. Auszug aus dem aktuellen Arbeitsstand

Was machen Autor*innen in der Corona-Pause? Arbeiten natürlich, weiterdenken. Auch wenn die Theater im Lockdown waren und die Uraufführungen Pause machen mussten, geht das Schreiben weiter: ein erster Blick in die Werkstatt noch unfertiger Texte und Projekte. 2.: Teresa Dopler

(D) feierst du alleine? 
(E) nein (lacht) ich dachte, hier findet eine Silvesterfeier statt 
(D) ja eigenartig, das dachte ich auch (lacht) ich dachte am Strand sind bestimmt schon ein paar Menschen, die angefangen haben zu feiern 
(E) ja, ein paar Menschen mit Musik und Getränken, das dachte ich auch
(D) aber es sieht nicht nach einer Feier aus, im Gegenteil (lacht)
(E)

 vielleicht ist es noch zu früh 
(D) wartest du schon lange? ich habe dich aus der Entfernung im Sand sitzen sehen und dachte mir, immerhin ein Mensch hier (lacht) 
(E) nein, ich bin vor ein paar Minuten gekommen und habe gleich gesehen, dass sonst niemand hier ist, dann habe mich in den Sand gesetzt 
(D) (lacht)
(E) Deutschland? 
(D) ja, Deutschland (lacht) 
(E) nice, ich komme auch aus Deutschland (lacht) 
(D) ich dachte mir schon, dass du aus Deutschland kommst (lacht) 
(E) darum hast du mich gleich zu Beginn auf Deutsch angesprochen (lacht)
(D) ich dachte mir, du kommst bestimmt aus Deutschland, oder aus einem Land, in dem man Deutsch spricht
(E) Intuition (lacht) 
(D) wahrscheinlich (lacht)

///

(E) wie lange bist du schon unterwegs? 
(D) seit sieben Jahren 
(E) sieben Jahre, crazy 
(D) ja, ich kann mir kein ...

TERESA DOPLER, 1990 in Linz geboren, studierte Sprachkunst an der Universität Wien. 2019 nahm sie an der Residency for Emerging Playwrights am Londoner Royal Court Theatre teil. Mit ihrem dritten Dramentext «Das weiße Dorf» gewann sie 2019 den Hauptpreis des 36. Heidelberger Stückemarkts.

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute August/September 2021
Rubrik: Schreibwerkstatt, Seite 33
von Teresa Dopler

Weitere Beiträge
Im Zweifel für den Zweifel

Was die Kunst, was das Theater kann und soll – die Fragen scheinen nach der Pandemie einerseits beantwortet: den Blick weiten, uns unserem Alltag und seinen immergleichen Problemen entreißen, um uns mit den Fragen anderer Menschen konfrontieren, mit ihrem Wünschen und ihrem Begehren, nachdrücklich, ästhetisch herausfordernd. In einem festgelegten Zeitraum, den ich...

Vergessene Stimmen

Fast schien es, die Münchner Kammerspiele wären nach dem langen Lockdown ganz in ihren vielen sozialpolitischen Engagements auf den verschiedenen Plattformen und Kanälen aufgegangen und als Theater von der Bildfläche verschwunden, da sind sie plötzlich doch wieder da, auf der Bühne, mit zwei sperrig glitzernden Projekten, die zwar auch ganz im Sinne der...

LÄRM. BLINDES SEHEN. BLINDE SEHEN!

1.
Hören Sie mir beim Nachreden zu. Ich kann mir nichts erklären, was nicht andre schon erklärt haben. Ich kann kein Verhalten zeigen, aus dem man etwas erkennen könnte. Sie werden nie entscheiden können, was ich ursprünglich geschöpft, erfahren, errungen habe und was abgeschrieben und nachgeredet ist. Ich drehe das Licht an, schlage die Zeitung auf und schreibe...