Vermurkste Wahrheit
Alte Wunden eitern länger. Vor allem, wenn sie aus der Kindheit stammen. Wenn sie der Bruder, die Schwester gerissen hat, wenn sie einfach nicht heilen wollen, weil immer wieder jemand kommt und nicht vergisst und daran kratzen muss, an dieser dünnen Kruste, an diesen blutigen Flecken in der Erinnerung.
So geht es den Geschwistern in Daniel Mursas «Dreitagefieber»: Strik, Tanja, Ruth und Friedrich, alle um die 30, sind an dasselbe Schicksal gekettet, an ein Unglück, das auch eine Kains-Untat sein könnte, unaussprechlich und – daher bezieht das Stück seinen Suspense – lange auch unausgesprochen.
Dass so ein Verhältnis nicht gesund sein kann, ist bei der Uraufführung am Landestheater Tübingen unschwer zu erkennen. Strik frühstückt Brot und Zigaretten, als hätte ihm sein Existenzdesigner nichts Besseres beigebracht. Schwesterchen Tanja kommt und kichert unmotiviert, verliert ihr Kleid unmotiviert, fuchtelt unmotiviert. Nur ihre Albträume, die haben einen Grund. Tanjas Hirn ist aufgeschürft wie ihre Knie, zumindest legt Nadja Dankers’ Rollenverständnis am Rande des Nervenzusammenbruchs diesen Vergleich nahe. Till Bauer als Strik verströmt das Mitgefühl einer mechanischen Puppe im ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ende Mai 1969 erhielt der Westdeutsche Rundfunk in Köln mehrere hundert empörte Anrufe und Briefe von Hörern, denen Stimmen aus dem Radio seltsame Dinge befohlen hatten. «Lecken Sie beim Hören die Schaltknöpfe ihres Radios!» hatte der Ansager sie aufgefordert, «Pressen Sie ihren nackten Bauch gegen Ihre Fernsehmattscheibe!», «Stechen Sie sich mit einer Nadel...
Gegen Schillers Hitze – die Kälte, gegen Schillers Höhe – die Fläche, gegen Schillers Pathos – die Beiläufigkeit, gegen Schillers Universalismus – das Private. Wogegen man aninszenieren muss, weiß man bei Schillers «Räubern» immer. Schon Schiller selbst gab in seiner Selbstrezension der Uraufführung von 1782 Ratschläge, wie man gegen sein Stück vorgehen solle: vor...
I
mensch bin ich keiner oder höchstens im üblichen sinn – der satz korrespondiert mit marthas erkenntnis, daß ihr mann ein dressierter aff sei, also nicht mal ein mensch im üblichen sinn.
die geschichte vom NEST hab ich schon mal mit 15 oder 16 jahren geschrieben; allerdings pubertär schwülstig, obwohl der hintergrund deutlich war: die in die nachkriegszeit...
