Ende der Illusionen
Was ist das für ein Posa? Wenn der allseits beliebte Freiheitsheld zum ersten Mal in Kamelhaarmantel und elegantem Schal die Drehbühne des Leipziger Schauspiels betritt, gleicht er einem ambitionierten Jurastudenten, dressed to succeed beim Vorstellungsgespräch in der global agierenden Kanzlei. Die heftige Umarmung seines bäuerlichen Prinzenfreunds Karlos erduldet Posa steifen Arms. Das soll der feurige Kämpfer für die unterdrückten Niederlande sein? Kalkül steht ihm im blassen Gesicht, die Intelligenz des schmalen Eigennutzes.
Es ist der spannendste Moment in Wolfgang Engels Leipziger Inszenierung des Schiller-Thrillers zum gleichnamigen Jahr, wenn dieser taktierende Ehrgeizling sich im Bewerbungsgespräch mit seinem Arbeitgeber in spe, dem spanischen König Philipp, in eine Emphase hineinredet, die er an sich selbst nicht kennt. Eben noch hatte er die gezielte Regelverletzung, die anstößige Distanzeinebnung kalkuliert benutzt, näher und näher war er dem König gerückt, auf Augenhöhe hatte er den Stuhl herangezogen, da geht es mit ihm durch: die Entstehung der politischen Leidenschaft beim Reden. Jetzt blickt er fassungslos: Es gibt danach keinen Weg zurück.
Es ist nicht der ...
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Diesen Menschen scheint nichts Tierisches fremd. Ihr gekacheltes Zuhause ist eine ungemütliche Kreuzung aus Affengehege, Aquarium und Abenteuer-Spielplatz. Zwischen Klavier und Schreibtisch verführen Kletterbäume zum Hüpfen und Balancieren. Wer fällt, der fällt weich – in den Sandkasten. Ein dienlicher Dämpfer, denn harte Abstürze hat Marius von Mayenburgs...
Carl Zuckmayers «Geheimreport» hat spät, aber nicht zu spät bewirkt, auch die Rolle der Schriftsteller, Maler, Musiker und Schauspieler im «Dritten Reich» kritischer zu würdigen und anders als bisher zu bewerten. Ob die Künstler freiwillig anpassungsbereit oder nur unter Druck zu Zugeständnissen bereit gewesen sind, ändert nichts an der Tatsache, dass sie sich auf...
Der Gerd sitzt am linken hinteren Rand der kleinen Bühne. Er kennt das soziale System «Luhmann-Seminar»: «Vorne hocken die Jünger mit Koks im Blick. Hinten quälen sich die Pflichtscheine. In der Mitte ganz allein der Gerd. Kampfstellung. Eine ungeheure Wut im Bauch. Grimmig wacht die Linke. In Bielefeld. Ausgerechnet Bielefeld.»
Zwischen dem Gerd (Stefan...
