Vergangenheit en gros

Maja Das Gupta «Der Nachlass»

Theater heute - Logo

Links und rechts hängen, stehen und ticken sie: Wanduhren, Standuhren, Kuckucksuhren aus Holz, Metall, Plastik. Hier hat jemand nicht nur Omas Dachboden ausgeräumt, sondern auch gleich den ihrer Nachbarn und Bekannten. Agnes heißt die Frau, die sich auf kleinteilige Nachlassverwaltung spezialisiert hat. Gelangweilt von ihrem Leben mit Mann und Tochter in spießiger IKEA-Gemütlichkeit, beginnt sie, Dinge zu horten. Fleißig studiert die gute Frau nun Zeitungsannoncen und vergnügt sich bei Haushaltsauflösungen.



«Der Nachlass» ist der dritte Theatertext der Münchner Autorin Maja Das Gupta und ihre erste Uraufführung. Ricarda Beilharz, von Haus aus Bühnenbildnerin, hat daraus in Wiesbaden ein Ausstattungsstück gemacht. Das bietet sich an, schließlich geht es um die scheinbar endlose Vermehrung von Dingen, die in diesen Stückzahlen kein Mensch braucht. 99 Vasen schleppt Agnes (Franziska Geyer) nach Hause, wo Ehemann Rudi (Wolfgang Böhm), ein dröger Kleinmanager bei Siemens, tagtäglich mit einem Blumenstrauß aufwartet. Diese routinierte Ehekosmetik wird er aber bald aufgeben, denn gegen die Sammelwut seiner Frau lässt sich nicht mehr mit Blumen sprechen. Selbst ist der Mann, und so versucht ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2007
Rubrik: Chronik, Seite 42
von Kristin Becker

Vergriffen
Weitere Beiträge
Es muss auch solche geben

Sechs Jahre ist es her, dass im Dezember 2000 der damals noch weitgehend unbekannte Michael Thalheimer am Hamburger Thalia Theater den denkwürdigen Anfang einer kleinen «Liliom»-Renaissance des 21. Jahrhunderts machte: Auf minutenlange Bewegungslosigkeit des hemdsärmeligen Protagonisten, die schließlich in einem seltsamen Schütteln der Arme, unwillkürlicher...

Pastiche mit dunklen Schatten

In den ersten Jahren nach 1945 war Berlin eine schwarzweiße Stadt. Die Kameraleute, die in den Ruinen arbeiteten und den Menschen dabei zusahen, wie sie den Schutt des Untergangs wegräumten, drehten in Schwarzweiß. Billy Wilder, der mit Marlene Dietrich in die Stadt kam, um die Komödie «A Foreign Affair» zu drehen, filmt ebenfalls in Schwarzweiß. Die...

Produktwelten aus Eis und Stil

Das Beste, was Jan Pappelbaums Bühnen passieren kann, ist, dass sie jemand in die Luft jagt wie das Hotelzimmer in Sarah Kanes «Zerbombt». Erst in der Komplett-Zerstörung ist die detailgetreu nachgebaute Vier-Sterne-Tristesse samt ihrer Insassen in Thomas Ostermeiers Schaubühnen-Inszenierung ganz bei sich selbst angekommen. In den Wänden des Hotelzimmers klafft...