Produktwelten aus Eis und Stil
Das Beste, was Jan Pappelbaums Bühnen passieren kann, ist, dass sie jemand in die Luft jagt wie das Hotelzimmer in Sarah Kanes «Zerbombt». Erst in der Komplett-Zerstörung ist die detailgetreu nachgebaute Vier-Sterne-Tristesse samt ihrer Insassen in Thomas Ostermeiers Schaubühnen-Inszenierung ganz bei sich selbst angekommen. In den Wänden des Hotelzimmers klafft nach der Explosion kein Loch. Die Wände und damit eine zwar trostlose, aber halbwegs reale Situation sind einfach weg.
Eine «Beckett-Bühne» nennt Pappelbaum diese Kahlschlag-Sanierung.
Die Inszenierung stürzt dank der von Sarah Kane so nicht geplanten Radikal-Lösung aus dem naturalistischen Setting in die Abstraktion und in eine postapokalyptische Endzeit, die sämtliche Beziehungs-Missbrauchs-Bürgerkriegs-Detailprobleme des Stücks genauso entsorgt wie das sicher nicht ganz billige Doppelbett der Edel-Absteige. Manchmal lösen sich Pappelbaums Bühnen auch in immer hysterischer werdenden Drehbewegungen auf wie die Neureichen-Villa in Ibsens «Nora». In harmloseren Fällen werden sie nur systematisch vollgesaut («Ein Sommernachtstraum») oder so lange von Filmbildern überblendet, bis sie sich in etwas Irreales aufgelöst haben ...
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