Produktwelten aus Eis und Stil
Das Beste, was Jan Pappelbaums Bühnen passieren kann, ist, dass sie jemand in die Luft jagt wie das Hotelzimmer in Sarah Kanes «Zerbombt». Erst in der Komplett-Zerstörung ist die detailgetreu nachgebaute Vier-Sterne-Tristesse samt ihrer Insassen in Thomas Ostermeiers Schaubühnen-Inszenierung ganz bei sich selbst angekommen. In den Wänden des Hotelzimmers klafft nach der Explosion kein Loch. Die Wände und damit eine zwar trostlose, aber halbwegs reale Situation sind einfach weg.
Eine «Beckett-Bühne» nennt Pappelbaum diese Kahlschlag-Sanierung.
Die Inszenierung stürzt dank der von Sarah Kane so nicht geplanten Radikal-Lösung aus dem naturalistischen Setting in die Abstraktion und in eine postapokalyptische Endzeit, die sämtliche Beziehungs-Missbrauchs-Bürgerkriegs-Detailprobleme des Stücks genauso entsorgt wie das sicher nicht ganz billige Doppelbett der Edel-Absteige. Manchmal lösen sich Pappelbaums Bühnen auch in immer hysterischer werdenden Drehbewegungen auf wie die Neureichen-Villa in Ibsens «Nora». In harmloseren Fällen werden sie nur systematisch vollgesaut («Ein Sommernachtstraum») oder so lange von Filmbildern überblendet, bis sie sich in etwas Irreales aufgelöst haben ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Alles Walzer!» Am Ende des zweiten Aktes fassen sich in Stefan Ottenis Nürnberger Inszenierung von Arthur Schnitzlers Gesellschaftskomödie «Professor Bernhardi» die Herren (mangels Damen) um die Hüften und drehen sich linkisch-gespenstisch im Dreivierteltakt. Da ist die Donau schon lange grau und der Himmel über Wien hängt voll düsterer Gewitterwolken. Die liberale...
Alles ist heutzutage politisch, sogar Shoppen. Darf man alles tragen, was einem gefällt? Oder muss man an der Wühlkiste auch bedenken, ob für die Produktion des schicken Tops in Sweatshops geschuftet wurde? Ist es unmoralisch, bei H&M einzukaufen, obwohl man sich eigentlich teurere Kleidung leisten könnte? Die in Berlin lebende Grazer Modedesignerin Elisabeth...
Kalte Böen peitschen durch die Spitalerstraße, die schnurstracks vom Hamburger Hauptbahnhof zum Thalia Theater führt, das letzte Aufseufzen von Orkan Kyrill, der zwei Tage zuvor Europa in Aufruhr und Stillstand versetzt hatte. Im Wind schwankt ein glatzköpfiger Typ, nicht jung, nicht alt, ein riesiges Holzkreuz in der Hand. Mit donnernder Stimme brüllt er gegen den...
