Produktwelten aus Eis und Stil

Jan Pappelbaum baut an der Schaubühne Theaterräume, die sich schon mal selbst zerlegen. Und nur auf den ersten Blick nicht mehr sind als gediegen naturalistische Spielflächen

Theater heute - Logo

Das Beste, was Jan Pappelbaums Bühnen passieren kann, ist, dass sie jemand in die Luft jagt wie das Hotelzimmer in Sarah Kanes «Zerbombt». Erst in der Komplett-Zerstörung ist die detailgetreu nachgebaute Vier-Sterne-Tristesse samt ihrer Insassen in Thomas Ostermeiers Schaubühnen-Inszenierung ganz bei sich selbst angekommen. In den Wänden des Hotelzimmers klafft nach der Explosion kein Loch. Die Wände und damit eine zwar trostlose, aber halbwegs reale Situation sind einfach weg. 

Eine «Beckett-Bühne» nennt Pappelbaum diese Kahlschlag-Sanierung.

Die Inszenierung stürzt dank der von Sarah Kane so nicht geplanten Radikal-Lösung aus dem naturalistischen Setting in die Abstraktion und in eine postapokalyptische Endzeit, die sämtliche Beziehungs-Missbrauchs-Bürgerkriegs-Detailprobleme des Stücks genauso entsorgt wie das sicher nicht ganz billige Doppelbett der Edel-Absteige. Manchmal lösen sich Pappelbaums Bühnen auch in immer hysterischer werdenden Drehbewegungen auf wie die Neureichen-Villa in Ibsens «Nora». In harmloseren Fällen werden sie nur systematisch vollgesaut («Ein Sommernachtstraum») oder so lange von Filmbildern überblendet, bis sie sich in etwas Irreales aufgelöst haben ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2007
Rubrik: Bühnenbild, Seite 20
von Peter Laudenbach

Vergriffen
Weitere Beiträge
Narzisstische Nervenspektakel

Mit diesem bürgerlichen Trauerspiel ist es eine komplizierte Sache. Seit Fritz Kortners vielgerühmter Inszenierung von 1970 gilt es als ausgemacht, dass Galottis Tochter den Prinzen von Guastalla «liebt», in ihn verknallt ist oder wie immer wir dieses eigentümliche Nervenspektakel einer widersinnigen Anziehung nennen wollen. 

Das macht allerdings weder die Deutung...

Das Fotoalbum

So war die Story irgendwann vielleicht im Morgenblatt zu lesen: Junger Mann aus Stuttgart verunglückt mit dem Motorrad in Buenos Aires; und die junge Frau, vor deren Tür es geschah, bringt ihn nach Hause. Der Schweizer Autor Andreas Liebmann nutzt den Augenblick künstlerisch weit darüber hinaus – vom Lebenseinschnitt aus montiert er poetische Szenen der Erinnerung....

Problem erkannt, Problem gebannt?

Peter Korach ist schon eine gute halbe Stunde im Jenseits, liegt hübsch aufgebahrt im Zentrum der bewegungsfreudigen Drehscheibe der Münchner Kammerspiele und hat schon manche bühnentechnische Karussellfahrt hinter sich. Da schüttet sein Vater Simon, ein prominenter Lokalpolitiker, der vielleicht gar nicht sein Vater ist, noch einen Bauchladen voll Platituden über...