Operation Zeichensturm
Um die wahre Größe dieser «Theater»-Produktion in der Volksbühne zu verstehen, ist es notwendig, sich Jonathan Meeses Weg zu einem der teuersten und meistdiskutierten deutschen Gegenwartskünstler vor Augen zu führen.
Die Ursache dieses märchenhaften Erfolges ist vermutlich vor allem in Meeses perfekter Inszenierung eines Rätsels zu suchen: Wer bin ich? Schon mit seiner ersten international awahrgenommenen Präsenz bei der Berlin Biennale 1998 im Alten Postfuhramt in der Oranienburger Straße zeigte er eine Art vollgemülltes Jugendzimmer, das eine Figur im schwarzen Ledermantel mit grimmigen Gesichtszügen anhimmelte: Meese himself. Auf miesen Selbstporträts, die mit martialischen Wortzwittern beschrieben waren, und verwühlt in Filmfotos, Pornobildchen und andere Zivilisationsleckerlis zelebrierte Meese eine manische Freude am infantilen Prahlen, die in ihrer Radikalität Neugier weckte.
Aus diesem chaotischen Kosmos in der Tradition von Anna Oppermanns Zettelwelten, der sich mit düsteren, schablonenhaften Adaptionen kultureller Superzeichen füllte, entwickelte Meese in den Folgejahren einen eigenen kulturellen Code. Als eine Art Kunstschamane bastelte er an seiner Privatmythologie, die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Peter Korach ist schon eine gute halbe Stunde im Jenseits, liegt hübsch aufgebahrt im Zentrum der bewegungsfreudigen Drehscheibe der Münchner Kammerspiele und hat schon manche bühnentechnische Karussellfahrt hinter sich. Da schüttet sein Vater Simon, ein prominenter Lokalpolitiker, der vielleicht gar nicht sein Vater ist, noch einen Bauchladen voll Platituden über...
Ob es eine gute Idee ist, Romane zu verfilmen, darüber muss sich im Grundsatz niemand mehr den Kopf zerbrechen. Die Kinobranche bedient sich munter in der Weltbibliothek. Das Theater auch. Mal glückt es, mal missglückt es. Ob es jedoch originell und vor allem klug ist, ein Filmskript auf der Bühne auszubreiten, ist eine interessantere Frage. Schließlich muss man...
In den ersten Jahren nach 1945 war Berlin eine schwarzweiße Stadt. Die Kameraleute, die in den Ruinen arbeiteten und den Menschen dabei zusahen, wie sie den Schutt des Untergangs wegräumten, drehten in Schwarzweiß. Billy Wilder, der mit Marlene Dietrich in die Stadt kam, um die Komödie «A Foreign Affair» zu drehen, filmt ebenfalls in Schwarzweiß. Die...
