Utopische Gemeinschaft

Leonie Böhm stellt in Basel mit Goethes «Wahlverwandtschaften» große Fragen und zeigt im Quartett komplexe Gefühle

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Man könnte es sich leicht machen und behaupten, in Goethes «Wahlverwandtschaften» ginge es um die Liebe, die zwei Menschen zu einem Liebes- oder sogar Ehepaar macht. Man könnte behaupten, in dem Roman werde das Ehepaar Charlotte und Eduard von Eduards Freund Otto und Charlottes Nichte Ottilie herausgefordert, orientiere sich weg voneinander nach außen – und scheitere an dieser Neuorientierung.

Man könnte es aber auch komplizierter beschreiben.

Dann zeigen diese vier Menschen als Mikroexperiment eine Gesellschaft im Umbruch, dann verkörpert das ursprüngliche Paar Charlotte und Eduard nur die alte Weltordnung, sind Charlottes Wünsche, es möge alles so bleiben, wie es ist, ein konservatives Beharren auf dem Bestehenden, das einer neuen Zeit mit dem Rückzug ins Private begegnet und aktuellen Herausforderungen nicht gerecht wird.

Gegenentwurf zum «Weiter so»
Am Theater Basel liest Leonie Böhm Goethes Roman auch auf diese zweite Art, deutet die Neukonstellation der vier Personen als Gegenentwurf zum Wunsch des «Weiter so». Sie zeigt mit Goethe, wie freudig sich manche Menschen Veränderungen stellen, während sie anderen große Schwierigkeiten bereiten.

Auf ihre bewährte Art bedient sich ...

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Theater heute März 2026
Rubrik: Aufführungen, Seite 26
von Valeria Heintges

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