Unter welcher Flagge wird gekämpft?
Ich bin in einer kleinen Stadt mit einem kleinen Stadttheater aufgewachsen und wollte unbedingt Schauspielerin werden, denn im Theater habe ich eben Schauspieler gesehen. Was Regisseure, Dramaturgen oder Intendanten sind, habe ich erst sehr viel später erfahren. Das Gesicht des Theaters waren für mich immer die Schauspieler. So ist es bis heute. Was wäre mein Lieblingstheater ohne seine Spieler? Wie oft bin ich in Inszenierungen gegangen ohne den Regisseur zu kennen, allein weil ich wusste, dass ein Großteil des hauseigenen Ensembles den Abend bestreitet? So viel zu mir als Zuschauerin.
Als freie Regisseurin, meist unterwegs im deutschen Theatersystem, ist es ein großartiges Erlebnis, auf ein gut eingespieltes und facettenreiches Ensemble zu treffen – oder aber es ist die Hölle, wenn man auf ein frustriertes, verkrustetes, beamtenhaftes Ensemble trifft, das nur noch über das Kantinenessen und verkürzte Ruhezeiten diskutiert.
Als ehemalige Theaterleiterin kann ich sagen, dass die Arbeit mit dem eigenen Ensemble mich am meisten vorangebracht hat.
Ein organisches Gebilde
Aber was ist denn jetzt ein funktionierendes Ensemble? Wie geht das? Bessere Frage: Was will ich für ein spezielles ...
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Theater heute Jahrbuch 2015
Rubrik: Der Ensemble-Konsens, Seite 79
von Claudia Bauer
Zwei «postparzen» eröffnen Thomas Köcks «paradies fluten (verirrte sinfonie)», «die von der vorhersehung übersehene» und «die von der prophezeiung vergessene», alte, elegant befrackte Damen, wahrscheinlich die letzten ihrer Art auf dieser Erde. Die Schicksalsgöttinnen am Ende der Zeit lassen den Zuschauer teilhaben an ihrer Vision der universellen Auslöschung:...
Sie haben alles richtig gemacht: Gerd, 57, Leitender Ingenieur in einem Baukonzern, liberal, witzig, lösungsorientiert, und Bettine, 51, ehemals im Marketing beschäftigt, reflektiert, empathisch, fürsorglich – er, als er auf eine weitere Stufe der Karriereleiter verzichtete, indem er aus den USA nach Deutschland zurückkehrte, sie, als sie vor zehn Jahren die...
Gestern war Verabschiedung. Sandro Tajouri und Sebastian Schindegger verlassen zum Ende der Spielzeit das Ensemble, beide aus persönlichen Gründen und schweren Herzens. Da standen dann nach der gestrigen Vorstellung vierzig, fünfzig Menschen auf dem Theaterhof und begrüßten die beiden johlend und mit Wunderkerzen in der Hand. Sascha von der Beleuchtung hatte einen...
